Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Wie ich in mein Zimmer kam, wie der Rest des Tages verlief — ich weiß es nicht. Ich starrte nur alles mit großen Augen an, ohne etwas zn sehen.
Am Abend reisten Hansens ab. Adieu, Herr Nechtsauwalt! kam es kühl und schneidend von meinem Muude. Wie alberu, Lisbeth! sagte Mutter. Dann verhüllte Rauch und Qualm die Davvufahreudeu.
Den Brief verbrannte ich in nächtlicher Stille; eine Brandblase erinnerte mich noch tagelang an ihn. Den Männern aber schwur ich ewige Rache. Leuchen hat nie die Wahrheit über die tragische Wendung meiner ersten Liebe erfahren. M h
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Chile für die Chilenen. Die Ansicht, daß Balmaceda ein ehrlicher Mann und das Hanpl einer Partei gewesen sei, die sich mit der Losnng: Chile für die Chilenen! den Schntz des Landes gegen die Ausbeutung durch englische Kapitalisten zum Ziele gesetzt habe, hat sich in Deutschland nur ganz schüchtern hervorgewagt. Der ganze Liberalismus erklärte sich sofort für die Kvngreßpartei, eben weil sie die Kongreßpartei, Balmaceda aber ein Diktator, ein „Thränn" war, und die konservative Presse wird meistens schon iu gauz nahe liegenden Angelegenheiten so schlecht bedient, daß es eine zu starke Zumutung an sie wäre, sie solle in Südamerika Bescheid nüssen. Jene Ansicht scheint jedoch richtig zu sein. In der Kutuu'äa^ Ksvisv vom 3. Oktober wenigstens stellt sie ein Mann, der offenbar mit den dortigen Verhältnissen genau bekannt ist, als etwas Notorisches an die Spitze seiner Mitteilungen. „Chile für die Chilenen! — so sagt er —, dieser Satz beherrscht die Empfindung des Volkes vou Anend bis Arica. Ihn von den Dächern zn predigen, kann freilich unter Umständen gefährlich werden, wie weiland Balmaceda zu seinem Schaden erfahren hat. Als öffentlich ansgesprochne politische Losung würde er auf die Dauer den für die Entwicklung des Landes erforderlichen Zufluß auswärtiger Kapitalien hemmen nnd Chiles Kredit an den europäischen Börsen schwächen. Aber nichtsdestoweniger ist er dem Volke ins Herz geschrieben, nnd daß man den Griugo, wie der Ausländer genannt wird, plündern müsse, gilt als nationaler Glaubensartikel." Weiterhin wird dann ausgeführt, daß der Ausländer in Chile von den mißtrauischen eiugeboruen Kreise« ausgeschlossen und auf seine Landsleute angewiesen bleibt, wenn er nicht eine Chilenin heiratet und sich in allein der nationalen Sitte und Deulungsart anbequemt. Über die Art und Weise, wie die Europäer verschiedner Nationalität dort ihr Fortkommen oder Reichtümer suchen, wird unter cmderm gesagt, daß der Deutsche keine Arbeit verschmähe; er treibe alles: Handel, Gewerbe, Ackerbau. Der Franzose, heißt es, glänzt meistens in gelehrten Fächern uud strebt nach einem Lehrstuhl au der Universität; außerdem verlegt er sich auf die Luxusindustrie. Die Italiener suchen Greuzboten I V 13»1 1!>