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Der Thronwechsel in Württemberg
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Der Thronwechsel in Württemberg

m 6. Oktober ist König Karl I. von Württemberg, gerade 68Jahre alt, an einem langwierigen, aber erst in letzter Zeit akut gewordneu Blasenleiden in seinem Restdenzschlosse zu Stutt­gart verschieden. Eine siebenundzwanzigjährige Periode württem- bergischer Geschichte hat damit ihren Abschluß erreicht. König Karl I. wurde am 6. März 1823 iu Stuttgart als der Sohn König Wilhelms und der Königin Panline (einer Prinzessin von Württem­berg) geboren. Die Geschäftskundigen merkten an, daß seit hundertfünfund- zwanzig Jahren zum erstenmale wieder einem regierenden württembergischen Fürsten ein Sohn geschenkt worden war. Der Prinz wuchs in der Mitte von drei, seit 1820 von vier Schwestern heran, genoß mit sechzehn ausge­wählten Altersgenossen den Unterricht tüchtiger Stuttgarter Lehrer, besuchte später die Hochschulen in Tübingen und Berlin, wo er Rankes Schüler war, und lernte auf Reisen einen Teil Europas, namentlich Nvrddeutschland, Eng­land und Italien kennen. Am 13. Jnli 1846 heiratete er dreiundzwanzig- jnhrig die ein halbes Jahr ältere Tochter des Kaisers Nikolaus von Rußland, die Großfürstin Olga Nikolajewna, die Enkelin der Königin Luise; mit ihr verknüpfte ihn das Band einer aufrichtigen Liebe, das erst der Tod zerreißen sollte. Das Verhältnis zum Vater dagegen trübte sich früh. König Wilhelm war eine stramme militärische Natur, und daß der Sohn wenig Gefallen am Kriegswesen hatte, sich weit eher für Knust und Wissenschaft erwärmte, war dem Vater nicht nach seinein Sinne. Daß auch das häusliche Leben des Königspaares mit den Jahren zu wünschen übrig ließ, erschwerte die Stellung des Sohnes, da dieser die Partei der Mutter ergriff, noch mehr. So standen sich Vater und Sohn ohne rechte Zuneigung gegenüber, und König Wilhelm Grenzboten IV 1891 14