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Lenau und Sophie Löiventhal
spiele eifrig betrieben werden, und wv man nie Klagen über Überbürduug, Kurzsichtigkeit, Nervenschwache u, dergl. hört. Die kräftige, frische Jugend Englands mit ihrem offne», wenn auch oft derben Wesen könnte, wenigstens in dieser Hinsicht, unsrer deutschen als Vorbild dienen.
Unsre Zeit stellt immer größere Anforderungen an die geistige Kraft des Einzelnen nnd verlangt gebieterisch die Heranbildung einer charaktervollen, entschlossenen, selbständigen Jugend, die den Aufgaben, die ihrer in Zukunft harren, gewachsen ist. Durch Bücherweisheit allein wird das nicht erreicht. Möge daher der Schule etwas mehr Freiheit und Gelegenheit gegeben werden, ein Erziehungsmittel in ihren Lehrplan aufzunehmen, das bisher vielfach noch mit Unrecht gering geachtet worden ist und doch sür unsre Jugend, die Hoffnung uusers Staates, von unschätzbarem Werte ist.
Lenau und Sophie Löwenthal
von Walther Ribbeck
cig man auch das Wort Freiligraths, daß das Mal der Dichtung ein Kainsstempel sei, als Übertreibnng belächeln, so kann man sich doch der Erkenntnis nicht verschließen, daß es sich in so manchem Falle als zutreffend erwiesen hat. Wie die Thätigkeit des Künstlers überhaupt, so hat insbesondre die des Dichters eine Gemüts- und Seelenbeschaffenheit zur Voraussetzung, durch die er mehr als andre für den Eintritt abnormer Geisteszustände disponirt erscheint. Wenn es wahr ist, daß den Dichter ein volles, ganz von einer Empfindung volles Herz macht, so ist das andre nicht weniger wahr, daß diese eine Empfindung häufig eine nur zu verhängnisvolle Macht über ihn selber gewinnt. Und am meisten scheint diese Gefahr dem lyrischen Dichter zu drohen, der es weniger als seine Brüder, der Epiker und der Dramatiker, vermag, seine Empfindungen vollständig von sich abzulösen, sie gegenständlich vor sich hinznstellen und sich auf diese Weise von ihnen zu befreien. Aus eignen Erfahrungen hat der größte der Lyriker geschöpft, als er uns zweimal ein warnendes Beispiel jener übermäßigen Hingebung nu die Empfindung vor Augen stellte: in dem nn- glücklichen Jüngling, den nicht sowohl seine unselige Leidenschaft als die Schwäche und Weichheit seines Herzens in den Tod treibt, und in dem Dichter, dem sein Fürst die mahnenden Worte zürnst: