Quitt
in neuer Roman von Theodor Fontäne hat unter allen Umständen Anspruch ans Beachtung und erweckt bei gebildeten Lesern ein günstiges Vornrteil. Wir haben in einer Reihe von Besprechungen über Fontanes „Ceeile," „Jrrnngen-Wirrungen" und „Stine" wiederholt auseinandergesetzt, warum die jüngsten Apostel der Unnatur, die sich Naturalisten nennen, Fontane als einen der ihren in Ansprnch nehmen, und aus welchen Gründen uns dieser Anspruch vollkommen hiufällig erscheint. Ein so eigentümlicher und selbständiger Schriftsteller wie Fontäne will mit seinem eignen Maßstabe gemessen sein, jeder andre ist für ihn zu lang oder zu kurz, und der Maßstab jener Wahrheitsdarsteller, bei denen die Wahrheit erst mit dem Schmutz anfängt, ist vollends zn grob und zu klobig für den feinen Seelenkenncr nnd scharfen Weltbeobachter. Aber wen» wir auch die selbständige Natnr und die iuuere Berechtigung Fontanes, seiue besondern Wege zu gehen, rückhaltlos anerkennen, so brancheu uns doch diese Wege nicht an jeder Stelle zu gefallen, ja es kann uns die Besorgnis beschleichen, daß er auf ciuem oder dem andern Seiteupfade dem letzten Ziel aller poetischen Darstellung, der poetischen Wirkung, eher ferner als näher rücke.
In dem nenen Noman Qnitt") verläßt der Erzähler — und das ist immerhin ein Gewinn, weil es ihn vor der in der Dichtung unleidlichen Spezialität bewahrt, die bekanntlich etwas ganz andres ist, als die Erkenntnis der Schranken des eignen Vermögens — den Boden der Neichshcmptstadt und führt den Leser in der ersten Hälfte und auch wieder am Schlüsse des Buches in ein paar Dörfer am Fuße des Nieseugebirges, die allerdings episodisch von Berliner Sommergästen belebt werden. Die andre Hälfte spielt gar auf amerikanischem Boden, in und bei der Mennvnitenniederlassung Nogat-Ehre, im Jndianergebiet, südlich von Kansas. Der Held der Geschichte ist eiu junger schlesischer Stellmacher Lehnert (Lienhart) Menz, der unter den Gvrlitzer Jägern gedient und sich im Kriege von 1870 ausgezeichnet hat, derart, daß
Quitt. Roumn von Thevdvr Fontäne. Berlin, Wilhelm Hertz (Besstrschc Buchhandlung), 1891.