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Hamlet und seine Ausleger
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Rokolostudien _ 5,71

ihm diese Zaghaftigkeit nicht einmal übelnehmen. Es ist wahrhaftig nichts kleines, einen König von so argwöhnischer Gemütsart in der Mitte seiner knechtischen Umgebung znr Rechenschaft zu ziehen, besonders wenn er gegen diesen fast keinen Schritt thun kann, ohne die eigne Mutter, die er trotz alledem zärtlich liebt, und die zu schonen er vom Vater ausdrücklich an­gewiesen wird, mitzuverletzen nnd ihre Schande nn den Tag zu bringen. Und wäre er noch ein thatkräftiger Reformator, den ein heiliger Zorn triebe, das Schlechte, das ihm auf seinem Wege begegnet, mit Stumpf nnd Stiel auszurotten! Wohl hat er ein scharfes Auge für die Schlechtigkeit der Menschen freilich nicht aus Schadenfreude oder einem gewissen Genng- thuungsgefühl, wie man ihm neuerdiugs hat andichten wollen, aber ihr Anblick, anstatt ihn zum Handeln anzusporuen, erfüllt seinen für alles Schöne und Edle empfänglichen Sinn mit Ekel nnd lähmendem Widerwillen. Er betrachtet die ihm aufgedrungene Refvrmatorrolle geradezu als ein Unglück:

Schmach und Gram, Daß ich zur Welt sie einzurichten tam!

Es ist nicht anders, allen übergeistreichen, modernen nnd modernsten Theorien znm Trotz wird man sich zur Aufhellung diesespsychologischen Mtsels" mit Goethes Erklärung begnügen müssen: Hamlet geht unter einer Last zu Grunde, die er Nieder tragen noch abwerfen kann; es ist hier eine große That ans eine Seele gelegt, die dieser That nicht gewachsen ist.

Rokokostudien

Artig und galant

ine Wochenschrift aus dem Jahre 1725 kündigt einmal scherz­haft ein 1)i(;t,ic>mig.ii'ö dos mot.8 t^vorits an,woraus eiue neue Sprache kanu geinacht werden." Es soll damit die gezierte und mit albernen Modewörtern stetig aufgefrischte Sprache der Stutzer verspottet werden, wie sie sich auch damals in der Gesellschaft wohlgefällig breit machte. Die sprachbildnerische Kraft, die hier freiesten Spielraum fand, ist bekanntlich bis in unsre Tage lebendig geblieben und be­reichert, getragen durch die Macht des Huw adsni'äum, uoch immer den Wort­schatz mit herrlichen Schöpfn »gen. Wem es Bedürfnis ist, des Lebens