Maßgebliches und Ummißgel'liches 151
man über die Leiche Qucckatzeus die Erde schaufelte, die Kenntnis des wahren Sachverhaltes — die verhängnisvolle Mordthat war eigentlich nur ein ungewollter Totschlag ^ hatte ihn zum nachsichtigen Schweigen bestimmt: dein Toten kvuute er doch das verlorene Leben uicht wiedergeben, und deu lebenden Störzer wollte er schonen. Jetzt, nach Storzers Tode, deckt er das ^Geheimnis ans, indem er die auf seinem Hause begonnene Erzählung in der öffentliche» Wirtsstnbe beschließt. So wird die Erzählung selbst zu einem Teil der Handlung, und wir legen das packende Buch mit Bewunderung vb seiner kunstvoll verschlungenen Forin aus der Hand. Es giebt nicht viele Erzählungen, in denen die Form so organisch aus dem Stoff selbst herauswüchse; nur in dieser Einheit aber liegt die wahre Knust, die heutzutage freilich arg vernachlässigt wird. Durch sie hat Raabe seine Kriminalgeschichte geadelt, ganz abgesehen von der Höhe seiner Weltauschannng, von der aus auch hier inenschliches Treiben und Schicksal betrachtet wird. Man darf „Stopfkuchen" zu seineu gelungenste» Werken rechnen.
Wien m N
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Das Gleichgewicht der Geschlechter. In Nr. 13 der Grenzboten heißt es, in einem gewissen Falle müßte vom Staate verschiedncs verlangt werden, was er bis jetzt nicht leiste, unter andern „ein Gesetz, wonach mindestens ebenso viele Knaben wie Mädchen geboren zu haben werden!" Das hat der Staat in keinem Falle nötig, ans dein einfachen Grunde, weil es schon unser Herrgott, oder wie man heutzutage lieber sagt, die Natnr besorgt. Es werden sogar mehr Knaben als Mädchen geboren, aber die Sterblichkeit ist unter den Knaben größer als unter den Mädchen, sodaß die Zahl der Jünglinge nnd Jungfraueu in der Zeit der Vollen Blüte, d. h. um das zwanzigste Jahr herum, fast in allen Ländern ziemlich gleich ist, ein deutlicher Wink des Schöpfers, daß in diesem Lebensalter jedes Männlein sein Fräulein wählen soll, was aber leider unsre heutigen Verhältnisse verbieten. Die Männersterblichkeit überwiegt noch bis zum vierundzwanzigsten Jahre, von da an bis znm vierzigsten aber sterben mehr Frauen (die Ursache kann sich jeder leicht denken), sodaß in dem Lebensalter vom vierzigsten bis znm fünfzigsten Jahre das Gleichgewicht noch einmal hergestellt wird. Was dann noch von Frauen lebt, ist zäher und widerstandsfähiger als die alten Männer, sodaß die Greisinnen der Zahl nach dns Übergewicht über die Greise haben. Das Nähere findet man in Oettingers Moralstatistik.
Felix Dcihn und die Poesie. Vergangene Woche War Felix Dnhn in Wien nnd ließ sich feiern. Am 7. April veranstaltete er in einem Konzertsanle (Bosen- dorfer) eine Vorlesung seiner Gedichte, tags darauf hielt er in der „Juristischen