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Zwei Nekrologe
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Maßgebliches ,md Unaiaßgebliches 575

wußte, UM schließlich der Kraft nationaler Gedanken das andre Schlagwvrt der religiös-politischen Überzeugnugstreue entgegenzuhalten, durch das er seine Leute au sich fesselte, auch da, wo die religiösen Fragen keineswegs mitspielten.

Windthvrst war ein parlamentarischer Diplomat ersten Ranges, aber ein großer Staatsmann ist er nicht gewesen. Wenn wir auch nicht glauben, daß sein Werk, der zum Zentrum orgauisirte Katholizismus des deutschen Reiches, mit ihm zusammenbreche, so glauben wir doch ebensowenig, daß es sich ans die Dauer zu behaupte» imstande sein werde. Die völlige Gleichberechtigung, die, gottlob! Protestanten und Katholiken im deutscheu Reich und ganz besonders in Preußen zusteht, macht die konfessionelle Partei zu einer wider­natürlichen Erscheinung. Das deutsche Reich ist trotz all seiner Macht in viel zu gefährdeter Lage, als daß es sich den Luxus eines innern Kampfes gestatten dürfte, für den jede sachliche Notwendigkeit fehlt.

Die Politik ist, wie Fürst Vismarck einmal sagte, eine Kunst. Windthvrst war ein parlamentarischer Politiker, wie wir ihn sonst nur auf englischem Boden finden. Wir wünschen ihm Nachfolger, aber nicht in den Reihen des Zentrums.

Maßgebliches und Unmaßgebliches

DaS jüngste Pariser Abenteuer wird, wie mnn nun von verschiednen Seiten versichern hört, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden beteiligten Regierungen nicht stören. Dieser Versicherung hätte es nicht bedurft. Die bestehende Freundschaft ist eine Salonfreuudschast, man beobachtet beiderseits gewissenhast höfliche Verkehrssvrmeu, schüttelt eiunuder lächelnd die Hände, hütet sich aber wohl, vertraulich zu werden. So begegnen sich auch zwei Geschäftsleute, die im Stillen überzeugt sind, daß jeder von i'hueu mit Berguügeu die Gelegen­heit ergreifen würde, dem andern zu schade». Daß das in diesem Fall auf der einen Seite ein Irrt«in ist, ändert au der Sache nichts. Und da die Franzosen grundsätzlich jeden Schritt vermeiden, der so ausgelegt werdeu könnte, als wollten sie dos sogenannte herzliche Einvernehme» »»bahnen, und auf deutscher Seite die Lust zum Entgegenkommen gründlich abgekühlt sein muß, so ist vor der Haud eiue Äuderung nicht abzusehen/ Messe» wir uns von Rußland zu versehen habe«, brauchte» wir ebenfalls nicht erst bei diesem Aulasse zu lcrue». Indesse» lau» es vou Nutze» sein, die Aiisbrüche deS Hasses uud der Schadeufreude, die iu deu letzte» Woche» u»ter der Herrschaft der russische» Ze»s»r aus Tageslicht komme» tonnte», nicht mit dem Tage uud deu TageSblälter» i» Vergessenheit geraten z« lassen. Solche Äußerungen sind von größer»! Werte, als die ohne Zweifel aus