464 Hedda Gabler
Am schwächsteil scheint uns die erste Geschichte des Buches, „Das Jvrdausfest"; sie spielt in Nußland und ist russischen Erzählern nachempfunden. Im ganzen also ein hoffnnngsvvller „Antritt" der feinsinnigen Schanspielerin. In Zukunft möge sie bei dem Grundsatze beharre», nur davon zn erzählen, was sie gut kennt, und ihre Sprache möge sie von den vielen unnötigen Fremdwörtern säubern, die sie entstellen.
Hedda Gabler
it keinem seiner srüheru Dramen hat Henrik Ibsen seinen Verehrern eine geistig und sittlich so tief heruntergekommene Gesellschaft vor Augeu geführt, wie mit dem vieraktigen Schauspiele „Hedda Gabler," das zuerst in München mit starkem Widerspruch, darauf am 19. Februar im Berliuer Lessingtheater iu Gegenwart des Dichters unter stürmischem Beifall, gegen deu die Proteste der zischenden Minderheit nicht aufkommen konnten, aufgeführt wordeu ist. Natürlich können solche Kraftproben roher Meinungsäußerungen, bei denen der Klatschende stets über den Zischcr triumphirt, weil er das größere Geräusch macht, das ästhetische Urteil über den künstlerischen Wert eines Schauspiels nicht beeinflussen. Aber sie sind.....uud das will in der Blütezeit der Cliquenherrschaft uud der Reklame viel sagen — auch nicht mehr imstande, einen Erfolg vorzuspiegeln, wo in Wirklichkeit ein Mißerfolg vorhanden war. In dem besondern Falle, der nns hier beschäftigt, handelt es sich nicht etwa um die rohe Gewalt bezahlter Claqnenrs, souderu um den Kampf zwischen blinden Fanatikern nnd bestürzten Zweiflern, die bereits au der Gvttähnlichkeit ihres Propheten irre zu werden beginnen. Sie bildeten die Hauptmasse der Besucher der ersten Vorstellung im Berliner Lessingtheater, uud das uubefaugeue Publikum, das die litterarische» Bestrebungen noch nicht von dem programmmäßig umschriebenen Standpunkte doktrinärer politischer Parteien betrachtet, gab bei den spätern Aufführungen seine Stimme so unzweideutig ab, daß das Schallspiel trotz einer Darstellung, die vom Dichter selbst als vollkommen gepriesen worden war, nach sechs Wiederholungen ebenso geräuschlos iu die Theaterbibliothek versank wie eine Jambentragödie aus der Hohenstaufenzeit.
Die zweifelnden Jbsenfreundc, die bis dahin mit rührendem Eifer, oft mit einem heldenmütigen «üZ'riiinio <lsU' intsllotto für ihren Patron einen Feldzug