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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

Die Hetze gegen Bismarck wird jetzt mich nach Österreich verpflanzt, wo man sich allerdings zu diesem Geschäfte nicht in so schmählicher Weise mit dem Gefühle des Dankes abzufinden braucht. Die erste Reichstagssitzung hat die Wiener Neue Freie Presse" zu einein Artikel begeistert, dessen Verfasser unverkennbar seine Bekanntschaft mit der neuesten deutscheu Geschichte ausschließlich dem Studium der freisiunigen Blätter verdankt uud seiue Lektion so geläufig aufsagt, daß er wohl ein gnädiges Kopfnicken des Herrn Negierungsassessors Nichter verdient hätte. Nun die Beseitigung des Welfenfonds nnd des Paßzwanges in den Reichslanden in Aussicht gestellt ist, gewinnt er wieder Vertrauen zu Deutschland. Denn aus dem Welfenfonds wurde die offiziöse Pressegenährt," diedie öffentliche Mei­nung irreführte";der Welfenfonds War eines der Vehikel, auf denen der leiden­schaftliche Haß daherfuhr, der das deutsche Volk zerklüftete und jeden Ansatz zu einer gedeihlichen Entwicklung der Nation erstickte." Hätte Schmvck sich wohl schöner ausdrücken können? Aber auch die allgemeine Empörung über das Treiben des Herrn Mackenzie war lediglich ein Werk der offiziösen Presse. Als damals ein Freisinniger seine Entrüstung darüber äußerte, daß eiue so uuehrerbictige Sprache des Publikums geduldet werde, fragte thu jemand, ob er halb Berlin einsperren wolle? Solche Macht übte die offiziöse Presse aus! Uud der brave alte Hehu ist, wie wir von dem Herausgeber seiner Briefe erfahren, deren leicht­gläubiges Opfer oder gar selbst ein Reptil? Schrecklich! Aber Bismarck wollte ja keine Ausgleichung der Parteigegeusätze habe», wie sie sich jetzt vollziehe« wird. Er wollte auch keine Versöhnung der Elsaß-Lothringer und störte deshalb den General Mantenffel iu seinem Friedenswerke. Man sollte doch meinen, es sei auch in Österreich bekannt und verständlich, daß gerade die verfrühte Versöhnungs- politik dazu genötigt hat, die Zügel wieder straffer anzuziehen. Alles, was General Mantenffel iu der wohlwollendsten Absicht that, sein Entgegenkommen in jeder Beziehung (z. B. daß er in Metz nnmittelbar uach seiuer Ankunft dem Erzbischvf einen Besuch abstattete), alles wurde als Zeichen der Schwäche aufgenommen nnd bewirkte, daß deu Franzosen diesseits uud jenseits der Kamm wieder schwoll. Unter Möller so wenig wie unter dein Fürsten Hohenlohe ist den Eingebvrnen mit Härte begegnet worden, die Verwaltung Mnnteusfels aber hatte Zustäude ge­schaffen, die nicht geduldet werden konnten, wenn Deutschland das Land behaupte» wollte. Das wird jeder bestätige«, der sie iu der Nahe kennen gelernt hat, sich des Treibens der Optanten und der Sprache der französischen Presse erinnert. Und macht Österreich in Böhmen nicht dieselbe Erfahrung, obgleich die Eroberung dieses Landes schon etwas ältern Datums ist? Aber es hilft alles nichts, auf Bismarck muß losgeschlagen werden, weil er dafür sorgte, daß die Bäume der Freisiunigen nicht in deu Himmel wuchsen. Und im Eifer wird sogar die be­denkliche Wendung gebraucht, Fürst Bismarck sehesein widernatürliches Werk zer­bröckeln." Nnn, hoffentlich zerbröckelt nicht, was alle Feinde und Neider Deutsch­lands sein widernatürliches Werk heißen!

Für die Redaktion verantwortlich: Johannes Grunow in Leipzig Verlag von Fr. Wilh. Grunow in Leipzig Druck von Carl Marquart in Leipzig