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druck seiner Gefühle war, wie ihn eine seltene Schamhaftigkeit und Keuschheit stets daran hinderte, seinen Liebesempfindungen Ausdruck zu gebe», waS am ergötzlichsten in den Briefen an seine „ewige Braut" Kathi zu Tage tritt, und wenn man anderseits an Naimnnd, den Adressaten des Brieflcins denkt, der zu dem klassischen Bnrgtheaterdichter uud Meister im Schriftdeutsch iu seiner selbstquälerischen Bescheidenheit ivie zum Stefanstnrm emporschaute, so wird man dieses liebenswürdige Zeichen einer echten Mannesliebe in seinem ganzen Werte zn schätzen wissen. Raimund mnsz den Bogen ganz selig bei sich herumgetragen habeu. Es wirft aber auch eiu weiteres Licht auf Grillparzers Wesen: so kritisch, ja so krittlich er war, so hat er doch immer uud überall mit der allerreinsten Freude die echte Begabung gelobt und anerkannt, wo er sie traf: bei Uhlaud beispielsweise. Er war nichts weniger als ein eitler, selbstsüchtiger Poet. Aber er hatte eine weit tiefere Einsicht in daS Wesen der Dichtkuust, der Tochter der Phantasie, als die allermeisten seiner Zeitgenossen; daher allein seine Polemik gegen Tieck, Gutzkow, Schelling, Gerviuus n. s. w. Man vergißt nur zu gern dabei, daß er doch grundsätzlich im Rechte mar und (die Wahrheit zu sagen) eiu Vorläufer uusrer Zeit. Die Parole des künstlerischen Realismus, die Trennung der Kunst von der Philosophie, die Forderung der Gründung aller Ästhetik ans ausgebreiteter Erfahrungswissenschaft: das alles hatte er schon zwanzig, dreißig Jahre vorher ausgesprochen und darnach gehandelt. Jetzt kommt es der Wissenschaft endlich zum Bewußtsein: Grillparzer ist der Realist unter unsren Klassikern.
Litteratur
'Ardeiterausschüsse in der deutschen Industrie. Gutachten, Berichte, Statuten, heraus geneben im Auftrage des Vereins für Sozialpolitik von Professor Dr. Max Seriug. Leipzig,
Dnuckcr lind Humblvt, t8S0
„Die vorliegende Sammlung — heißt es in der Einleitung — will Einblick gewähren in die Bedeutung einer großindnstriellen Orgauisativusform, die in Deutschland während der letzten Jahre eine größere Ausbreitung gewonnen und wegen ihrer sozialen Tragweite die öffentliche Ansmerksamkeit in steigendem Maße ans sich gezogen hat." Diese Schöpfungen „haben ihre Lebenskraft in einer größern Zahl von Werken durch längere Wirksamkeit bewährt. Ohne die wirtschaftlich-technische Leistungsfähigkeit der letztern irgendwie zu schwächen — das Gegenteil ist der Fall — haben die Arbeitsausschüsse uuter deu verschiedensten ökouvmischen uud soziale» Bediugnngcn zu einem gegenseitigen Begreifen, zu eiuem friedlichen Zusammenwirken Von Unternehmern und Arbeitern geführt, das inmitten all des Zwistes und Hasses der industriellen Gegenwart die freudigste Teilnahme erwecken muß. Sie sind gleichzeitig zn einer so erfolgreichen Schnle der Arbeiterschaft auf dem Gebiete der praktischen Verwaltung geworden, daß die Hoffnung auf eine schrittweise (!) Fortentwicklnng und weitere Ausbreitung der Institution nicht unbegründet scheint. Die Verfassung derjenigen deutschen Nnter- nehmnugcn, die Arbeiterausschüsse besitzen, ist uicht eine genossenschaftliche, sondern eine herrschaftliche. Den dienenden, den technisch ansführendcn Gliedern der Nnter- nehmnng, den Arbeitern, ist aber ein Anteil an der Herrschast eingeräumt." Der