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Die Rembrandt-Ausstellung im Berliner : Kupferstichkabinet. 3
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

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Unmittelbarkeit seiner künstlerischen Gestaltungskraft. Den Beschluß der aus­gestellten Radirungen bilden einige weibliche Nktfigurcn, die Fron im Bade, die Frau am Ofen und die Frau mit dein Pfeil. Mit verblüffender Schärfe der Beobachtung verbindet sich hier eine solche Kenntnis der Anatomie und eine solche technische Gewandtheit in der Modellirnng, daß wir auch von diesen Denkmälern Nembrandtischen Geistes den Eindruck völlig ungebrochener künstle­rischer Kraft empfangen. Die Fran mit dem Pfeil ist die letzte unter den datirten Nadirungeu des Meisters. Seit dem Jahre 1661 legte er die Nadir­nadel beiseite und widmete sich in den letzten acht Jahren seines Lebens aus­schließlich der Malerei.

Nembrandts Schöpfungen, in deren unerschöpflichen Reichtum wir hier nur eineu kurzen Blick thun konnten, werden die vielfach urteilslvse Götzen- dienerei unsrer Tage ebenso siegreich überdauern, wie die Geringschätzung, mit der ihnen vergangene Jahrhunderte begegneten.

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Die Stichwahl in Bochum. Für den, der dem Parteigetriebe fernsteht und sich daher ein unbefangnes Urteil bewahrt hat, sind die Vorgänge bei der Stichwahl im Reichstagswahlkreise Bochum, in hohem Maße belehrend. Während auf der einen Seite alles, was den Namen liberal trägt, einschließlich der demo­kratischen Richtung der Frankfurter Zeitung, zusammentrat, um den nationalliberalen Kandidaten zu unterstützen, erfolgte auf der andern Seite im letzten Augenblick eine Verständigung der Führer der Bergarbeiter mit dem katholisch-sozialen Zen- trumskaudidaten auf der Grundlage der Anerkennung einer Anzahl von Forderungen der Bergarbeiter.

Daß bei dieser Gruppirung der Nationalliberale mit etwa 1200 Stimmen gesiegt hat, erscheint als eine Thatsache von geringerer Bedeutung gegenüber der allgemeineren Betrachtung, zu der die in Bochnm erfolgte Parteigruppirung den Anlaß giebt.

Freilich, was der richtige Fraktionspvlitiker sagen wird, das wissen wir ge­nau. Es wird sich ein großes Lärmen erheben ob der Grundsntzlosigteit des Zentrums, das, obwohl es der ärgste Feind der Sozialdemokratie zu sein vorgebe, dennoch sich durch sozialpolitische Zugeständnisse sozialdcmokratische Stimmen erkauft habe; es wird gehöhut werden über die sozialdemokratischen Führer, die die Massen so wenig in der Gewalt hätten, daß sie, obwohl die offizielle Wahlparole auf Wahlenlhaltung gelnutet habe, einfach diese Parole für nichts geachtet und sich un­bekümmert um die Führer mit dem Zentrumsmcmue vereinigt hätten. Zum Schlüsse wird daun die Moral der Geschichte in einigen fulminanten Artikeln über die