Litteratur
falsche Ausdrucksweise. Läßt man da die bildliche Redeweise nicht besser weg/ vder entnimmt den Vergleich einer dem Verständnisse der Leser geläufigern Situation?
Wir haben diese Zuschrift gern veröffentlicht. Bei der Häufigkeit, nnt"dev gerade dieses Bild in letzterer Zeit in der Zeitungssprache verwertet wird, erweckt das Gesagte vielleicht allgemeineres Interesse und trägt mit dazu bei, den nnglün lichen Ansdruck, wie er gekommen ist, wieder verschwinden zu lassen. i
Litteratur
Der Papstesel. Ein Beitrag znr Kultur- und Kunstgeschichte des Refvrmationszeiralters' von Kvnrad Lange. Göttinnen, Bandenhveck und Ruprecht
Der seltene Kupferstich, der in der Wittenberger Holzschnittkopie von 1523 durch Melanchthon und Luther die Bezeichnung „Papstesel" erhalten hat, ist in neuerer Zeit namentlich wegen seiner Bedeutung für die Geschichte der graphischen Künste Gegenstand der Untersuchung gewesen. Das Monogramm V wurde zunächst auf den Goldschmied nnd Stecher Wenzel von Olmütz gedeutet, daun nahm Thausing, stets kühn in seinen Hypothesen nnd hartnäckig an ihnen festhaltend, es für Wol- gemut in Anspruch, den er demzufolge zn einem Vorläufer der Reformation machte, W. Schmidt endlich hat dem mährischen Meister sein Eigentum zurückerstattet. Dafür wird letzterem der Ruhm, vor Dürer geätzt zu haben, abgesprochen, da die meisten Sachverständigen, die in der Lage gewesen sind, das Blatt zu prüfen, es als Stich erkannt haben. Diese Fragen behandelt Konrad Lauge in den ersten Abschnitten seiner Schrift nur kürz, sehr eingehend und stellenweise weit ausholend erörtert er die Entstehung und Bedeutung der Darstellnng. Bekanntlich zeigt diese ein Fabeltier mit Eselskopf, Rumpf einer Frau, schuppigen Armen und Beinen,,' Ochsenhuf und Adlerklaue als Füßen, einer bärtigen Maske über dem Hinterteil und in einen Drachenkopf ausgehendem Schweife; im Hintergründe die Engelsburg, die Beste des Papstes, und die Torre di Nonci, das damalige Staatsgefängnis, zwischen beiden den Tiberfluß, der das Ufer überspült, sodaß das Ungeheuer ans dem nassen Boden steht (dies scheint uus aus der Abbildung ganz deutlich hervorzugehen, während Lange meint, es stehe „auf einer Wasserfläche," was gerade zu seiner Deutung weniger stimmen würde); der Fluß trägt außer der Bezeichnung Vsvsi'S noch das Datum IkmvsiÄ 1496. Dies bedeutet nicht die Zeit der Entstehung des Bildes, sondern die Überschwemmung in Rom, nach deren Verlaufen angeblich die abgebildete Mißgeburt gefunden wurde. ' !
Lange schließt sich nun der Ansicht an, die auf Grund der fehlerhaften italienischeil Aufschriften und des Umstandcs, daß gegenüber den schriftlichen Nach-, richten über das Fabelgeschöpf Rechts und Links vertauscht erscheinen, Wenzels Stich- für die Kopie eines italienischen Blattes halt. Nach seiner sehr einleuchtende». Darstellnng wäre zu vermuten, daß zuerst einfach nach der in Rom umlanfenden- Beschreibung des merkwürdigen Fundes ein Bild tvmponirt und dies dann sür ein Spottbild ans die nnier der Herrschaft Alexanders VI. entwürdigte und durch