Z8 Maßgebliches und Unmaßgebliches
Leben gedrängt hatte, „Denke dir, seit Montag bin ich hier ohne Buch und Alles — ich habe alle Lust zum Ausgehen verloren, das Zurechtfragen ist ein ^abscheuliches Ding, ich verlaufe mich immer — sonst wäre ich doch einmal in eine Leihbibliothek gegangen. Ich bin in Leipzig noch mehr für mich, als in Eisfeld, des Tages gehe ich — es müßten denn Geschäfte sein — nur einmal aus, lieber esse ich mittags gar nicht, abends Punkt sünf Uhr gehts dann zum Niere, da wird ein „Töppchen" getrunken und etwas gegessen, oo-Ia sst, tont. Da hat Ers doch besser neben einer solchen Frau und solchem Söhnlein zu sitzen, — Ich sehne mich, das ist wahr — aber weniger irgendwohin, als nur von hier weg!"
(Schluß folsit)
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Die Berliner Presse. Hätte die Bedeutung Bismarcks »och einer ausdrücklichen Bescheinigung bedurft, die Zeit seit seinem Rücktritte von den Stants- gcschäften würde diese hundertfach ausgestellt haben. Drei Vierteljahre sind vergangen, und noch kann weder Feind noch freund sich darein finden, daß der gewaltige Mann im Vollbesitze der Kraft feiern soll, während so schwere Fragen auf die Tagesordnung gebracht werden. Was geschieht und was nicht geschieht, giebt Anlaß zu Erinnerungen, Vergleichen und Vermutungen, wie die Dinge laufen Würden, falls seine Hand noch am Nuder Ware. Ihn, wurde einst Mangel an Ruhe, nervöse Hast und Ungeduld vorgeworfen; die das thaten, müssen heute, wenn sie es auch nicht eingestehen, mit Beschämung an ihr damaliges vorschnelles Urteil denken. Nicht minder die antiken Charaktere, die den Volten Bruflwu aufzuwenden pflegten, um jedem ihre Verachtung auszudrücken, der seiner überlegenen Einsicht eine Parteimeinung unterordnete. Oder vielmehr" sie müßten so empfinden, weuu die Schule des Pnrtcilebens ihnen noch die Fähigkeit gelassen hätte, natürlich zn empfinden, selbständig zu denken,
Deutschland hat selten ein so trauriges Schauspiel geboten, wie im März und April, als der freisinnige Janhagel dem Begründer des neuen Reiches faule Äpfel nachwarf uud Schimpfredcn michrief, und die Rotte uicht durch den Ausbruch der Entrüstnng aller anständigen Menschen verscheucht wurde. Nicht einmal der denn doch begründete Haß der französischen Gassenblätter ließ sich zu gleicher Niedrigkeit herab. Wir habeu damals aus dem Munde von Parisern, Polen und österreichischen Ultramontaneu Äußerungen vernommen, die bewiesen, wie die Ehrenhaften unter unsern Feinden solches Treiben ansahen. Vielleicht regte sich bei ihnen stille Schadenfrende, dann aber hatten sie Anstand genug, sie wenigstens nicht laut werden zn lassen, sondern nur ihr Bedauern über so unerhörten Undank zu erkenueu zu gebeu.
Nun endlich, sollte man meinen, habe die Parteiwnt sich genugthnn können.