Beitrag 
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Seite
634
Einzelbild herunterladen
 

634

Litteratur

wie die Einbildung entstehen konnte, es fehle den Dentschen an Nntionalgefühl. Die ins römische Reich eingewanderten Stämme konnten ihr Volkstnm unmöglich behaupten, weil sie nicht kolcmienweise beisammen blieben, sondern sich als Feudal­herren übers Land zerstreuten, und weil sie Analphabeten waren, demnach ihre Sprache den Nachkommen nicht schriftlich überliefern konnten, anch gezwungen waren, sich bei der Gesetzgebung, der Rechtsprechung uud im Gottesdienste der römischen oder romanische:: Sprache zu bedienen, wahrend die spätern Auswanderer, wie die Juden von jeher gethan haben, ihr Schrifttum mitnahmen. Sollten sich deutsche Auswanderer der letzten beiden Jahrhunderte schlechter gehalten haben, so wäre das gar nicht zu verwundern. Denn erstens wurde in der Zeit des Absolutismus die persönliche Selbständigkeit des Bürgers, der mm nicht mehr Bürger, sondern Unterthan war, gebrochen, und damit seine Widerstandskraft in allen Stücken, also auch in nationaler Beziehung geschwächt. Zweitens ging den Deutschen in der Kleinstaaterei der Begriff des Vaterlandes und Volkstums umso mehr verloren, als die deutschen Fürsten einander im Bunde mit auswärtigen Mächten unauf­hörlich bekriegten. Drittens waren deutsche Sprache uud Litteratur au deu Fürsten- Höfen dermaßen verpönt, daß für einen Gebildeten schon einiger Mnt dazu ge­hörte, sich ihrer nicht zn schämen. Wie wäre unter solchen Umständen nationaler Sinn anch nur möglich gewesen? Seit 1800, 1814, 1848 nnd 1870 sind ja nun diese drei Übelstände stoßweise teils eingeschränkt teils beseitigt worden, nnd in Nord- und Südamerika wenigstens halten jetzt die Dentschen sehr gnt zusammen. Man könnte allerdings glauben, der fragliche Mangel sei die unvermeidliche Kehr­seite des entsprechenden Vorwurfs, aber es ist, wie die Geschichte beweist, that­sächlich uicht der Fall. Wo sich der nationale Sinn der Dentschen schwach zeigt, da ist nicht eine ursprüngliche Eigeutümlichkeit des Volkes, sondern ein Zusammen­wirken vorübergehender Einflüsse daran schuld.

Litteratur

Handbuch der Waffenkunde. Das Waffenwesen in seiner Menschen Entwicklung vom Beginn des Mittclalters bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts. Bon Wendelin Voeheim, Kustos der Waffeusammlnng des österreichischen Kaiserhauses. Leipzig, E. A. See-

' mann, 1390

Die Sammlung kunstgewerblicher Handbücher, die in Seemanns Verlag er­scheint, hat mit Boeheims Arbeit eine dankenswerte Bereicherung erfahren. Wir verfügen zwar über eiue ansehnliche Zahl von Monographien, die einzelne Zweige des Waffenwesens mit wissenschaftlicher Gründlichkeit behandeln, ein zusammen­fassendes Handbuch der Wnffenkunde jedoch, wie es die Franzosen uud die Eng­länder besitzen, hatten wir bisher nicht auszuweisen. Vielleicht hat die Schwierigkeit oder Unmöglichkeit, eiu so ausgedehntes Forschungsgebiet völlig zn beherrschen, und die Seltenheit oder Unzngänglichkeit vieler Schutz- und Trutzwaffen vergangner Zeiten die deutschen Gelehrten von einer solchen alle Gebiete umfassenden Dar-