Beitrag 
Blüten und Früchte der Moderne
Seite
476
Einzelbild herunterladen
 

476

Blüten und Früchte der Moderne

schaft in Händen hältst! Dann töte den Drachen, stoße das Eisen ihm ins Herz und zerschmettere ihm die Knochen im Leibe, damit er nimmermehr Jung­frauen verschlinge und uns die Jünglinge nimmermehr ermorde!" Jetzt ist es also klar: Herr Brandes ist der St. Georg unsrer Zeit, und Donatellos Statnesteht mitten zwischen beiden." Wohl uns, die wir weder Jungfrauen verschlingen noch Jünglinge ermorden, wie Bismnrck und Mvltke! Die Festrede endlich hält ein Herr Öhquist in Helsiugfors. Er nennt in den ein­leitenden Worten Herrn Brandes in einem Atem mit Lessing und Taine! Noch weiter zu lesen, kaun wohl niemand zugemutet werden.

Gehen wir lieber zu einerNovelle" über. Der aus zahllosen Romauen und Erzähluugeu alten Stils wohlbekannte unwiderstehliche junge Manu hat sich bekanntlich unversehrt iu dieModerne" herübergerettet. Diesmal ist er nicht, wie iu Zvlas ^u bonuour ckö ü-uoes, Kommis iu einem Modengeschäfte, seine Mittel erlcmben ihm, nichts zu thu». Er trifft eiue fünfzehnjährige Bauerndirne, dereniu erzeuer Gliederznsammeugeschmiegtheit kraftverrammelter Leib" seine Sinnlichkeit erregt. Erumfaßt sie mit einem einzigen Griffe seines Blickes" nnd sie kann nicht umhiu, sich sofort an ihm zu reiben ^ körperlich natürlich. Abends begegnen sie sich im Dunkeln und fallen sofort brünstig über einander her. Brutale Gewalt trennt das liebenswürdige Paar, aber ihreSchicksalsliebe war und wird seiu." Der Worte bedürfte es zwischen ihueu nicht. Nnn von der Sprache noch einige Proben.Juterims- stimmuugen haben zuweilen eine merkwürdig schwüle, heiße, betäubende Pitauterie. - Dieses Bett mit seiner nngehenern Decke, die so viel Ver­steckendes, Zuguteredeudes, ius Land weicher, mildfingeriger Träume hiueiu wollüstig Einsargendes besaß. Der Kutscher querte den Hof jwie schade, daß er ihn uichtlängste!"j Das schmntziggrane, strnppige, bvrstige Haar, das mit seinen harten, glasigen, ausgedörrten Spitzen gleichsam der Luft in den Zähnen herumstocherte jwie wird Wippcheu jammern, daß dieses Bild nicht ihm eingefallen ist!j. Kühn abgefaulte Glieder. Dora war von blut­roter, iu breiten Lappen hinschießender Glut überbrüht." Genügt das? Aber das sind uicht etwa die einzigen oder auch nur die lenchtendsten Schmockschen Brillanten, Seile für Seite geht es fort iu diesem unverdau­lichen Kauderwelsch, in Wendungen uud Bilder», die um jeden Preis originell seiu sollen. Dieser Jünger Zolns mit Namen Hermann Conradi ist durch einen frühen Tod verhindert worden, von seinen Gaben einen vernünftigen Gebrauch zn machen, und nun halten ihm seine Freunde Nachreden, nicht etwa, wie Uhlcmdden abgeknickten Zweig, den blütevollen" auf Wilhelm Hauffs Grab legte, souderu etwa als ob Schiller uach Vollendung des Walleu­stein gestorben wäre. Doch nein! Auch dauu würde niemand einen solchen Bombast vorgebracht hnbeu. Da sagt einer:Nicht irgend ein Künstler, ein Litterat ist da gestorben hier starb vielmehr der Küustlerprophel, der philo-