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Preyer anzunehmen, daß das Menschengehirn in den neun Monaten seines Embryolebens nicht fertig werden könne, was dnrch nichts bewiesen ist; sondern wir glauben einfach , daß Gott das Menschenkind darum unfertig geboren werden läßt, damit durch Pflege und Erziehung zwischen ihm und den Eltern sittliche Verhältnisse begründet werden.
Wenden wir unsre Blicke von diesem letzten und höchsten Gegenstande menschlicher Erkenntnis noch einmal ans den eigentlichen Gegenstand unsers Buches zurück. Am Schluß einer Nntersuchnng, die sich mit der Entwicklung des Jchgefühls beschäftigt, sagt Preyer l Alle Fortschritte des kindlichen Seelenlebens „bilden gleichsam kvnvergirende Linien, die im vollkommenen Gefühle des Geschlossenseins der Persönlichkeit und ihres Abgegrenztseins von der Außenwelt gipfeln. So viel kann die rein physiologische Betrachtung unbedenklich zugeben. Sie vermag aber nicht außerdem noch eine Einheitlichkeit oder Ungeteiltheit oder nnnnterbrochene Permanenz des kindlichen Ich mit den hier zusammengestellten Thatsachen zn vereinigen." Solche Thatsachen seien, daß das Kind mit seinen eignen Gliedern als mit fremden Gegenständen spielt, das; hirnlos geborene Kinder zweckmäßige Bewegungen ausführen, Hunger empfinden und den Hunger zn stillen vermögen, daß demnach der Rumpf im Rückenmark sein besondres „Ich" haben muß, daß die Gesichts-, Gehör- u, s. w. Wahrnehmungen anfänglich, ehe die Verbindungsbahnen im Gehirn fertig sind, jede für sich gesondert auftreten, daß auch beim erwachsenen Menschen im Traume z. B. noch einzelne in gewissen Gehirngegenden wohnende „Ichs" ohne das höchste die Oberaufsicht führende Ich thätig sind. „Das Ich ist nur da, wenn die einzelnen Sinnesgebiete mit ihren Ichs wach sind, ans denen es abstrahirt wird, es verschwindet im traumlosen Schlase. Im Wachsein ist es stets nnr da, wo die zentrvsensvrischen Erregnngen gerade am stärksten hervortreten, d. h. wo die Aufmerksamkeit angespannt ist." Was wir gewöhnlich Ich nennen, sei demnach die Bereinignng aller jener einzelnen Ichs.
In dieser Darstellung bestreiken wir zunächst die Richtigkeit des Ausdruckes, das Ich werde „abstrahirt." Der abstrahirte Jchgedanke des Philosophen und das Jchgefühl, das jedermann einschließlich aller Philosophen hat, sind zwei ganz verschiedne Dinge, nnd es ist als verdienstlich anzuerkennen, das; Preher nach dem Vorgänge Lotzes das Jchgefühl in den Vordergrund stellte. Svdan» möchten wir den einzelnen empfindenden Wesen im Rückenmark nnd in den verschiednen Gehirngegenden, was immer sie sein mögen, nicht die Bezeichnung von Ichs zugestehe», weil wir nicht glauben, daß sich ihr Bewußtsein znm Selbstbewußtsein steigern könne. Die Bezeichnung „Ich," so scheint es uns, kommt nnr einem einzigen Wesen zu, jenein irgendwo in der Grvßhiruriude wohnenden Wesen, das da denkt und will, nnd das allerdings nicht eher znm klaren Bewußtsein seiner selbst gelangt, als bis ihm die übrigen erregbaren Wesen desselben Nervenshstems ihre Erfahrungen mitgeteilt haben. Wir fassen Gmizl'iUen IV t«S0 Ni