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Die Sozialdemokratie und die öffentliche Meinung
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Die Sozialdemokratie und die öffentliche Meinung

u den vielen in Sachen der Sozialdemokratie umlaufenden Schlag- Wörtern und Gemeinplätzen hat sich neuerdings ein Wort gesellt, das für die Denkweise gewisser Kreise charakteristisch genug er­scheint, um einer eingehender» Erörterung unterzogen zn werden: wir meinen das durch die liberale Presse und von ihr aus durch einen großen Teil der gebildeten Bevölkerung gehende Wort vou den „bloß taktischen Differenzen" innerhalb der Sozialdemokratie.")

Daß die Sozialdemokratie selbst den in ihrem Lager ansgebrochenen Zwist zwischen den Alten und den Jungen im eignen Interesse als etwas möglichst Harmloses und im Grnnde Unbedeutendes hinzustellen sucht, kaun füglich nicht Wunder nehmen. Erstaunen aber müßte man über die Leichtigkeit, mit der das von sozialdemokratischer Seite erfundene Wort aufgegriffen und nach­gesprochen worden ist, wenn man nicht schon aus frühern Vorgängen wüßte, wie die Dinge liegen. Das gebildete Publikum, gewohnt deu Vorgängen innerhalb der Sozialdemokratie eine bloß oberflächliche Beachtung zu schenken, trotzdem aber oder vielleicht gerade deshalb sehr geneigt, die gesamte Sozial­demokratie als eine einheitliche revolutionäre Masse cmfzufasseu, hat sich wieder einmal durch eine schön klingende Phrase bestechen lassen nnd ist damit zu dem ebenso bequemen wie trostlosen Ergebnis gelaugt, daß doch nichts zu machen sei, daß für diesmal der Satz nicht gelte, der doch sonst gewöhnlich gilt, daß von einem Streite zwischen zweien der dritte den Vorteil habe. Glaubt nur nicht — so hieß es —, daß dem Streite iuuerhalb der Sozialdemokratie irgendwelche ernstere Bedeutung beizumesseu sei; es handelt sich ja nur um uubedeuteude Unterschiede in der Taktik, im entscheidenden Augenblick wird uns die Sozialdemokratie doch einig gegenüberstehen. Durchgängig wurde dann an diese Betrachtung als einzige Nutzauwenduug die unbestimmte Mahnung ge­knüpft, sich nicht in falsche Sicherheit wiegen zn lassen und gegenüber der Umsturzpartei uach wie vor auf der Hut zu seiu.

Dieser Aufsatz sieht das gegenwärtige Treiben innerhalb der Svzialdemokratie nnd die ganze Weiterentwicklung unsrer politischen Znstände in einem wesentlich andern, günstigern Lichte, als alle unsre bisherigen Aufsätze über diesen Gegenstand, insbesondre auch als der Aufsatz an der Spitze dieses Heftes. Wir haben ihn trotzdem oder gerade deshalb gern zum Abdruck gebracht. Wen» er doch Recht behielte! D. Red.