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Die Kunstausstellungen in München und Dresden
öffentlichen Wohle gewidmeten Thätigkeit den bestimmenden Inhalt ihres Lebens erblicken, daß sie also entschlossen darauf verzichten, es den erwerbenden Ständen in materiellem Wohlleben gleichzuthun. Zweifler mögen den Glauben an den Durchbruch solcher Gesinnung einen Kinderglauben schelten, mir erscheint dieser Durchbruch als der einzige Weg, auf dem die moderne Gesellschaft ihrer geschichtlichen Stellung gerecht werden und ihren Zusammenbruch abwenden kann.
Die Kunstausstellungen in München und Dresden
Von Adolf Rosenberg 1
ls ich Ende Juli (im 31. Hefte der Grenzbvten) meinen Bericht über die Berliner Kunstausstellung schloß, verwies ich aus die Münchner Jahresausstellung, von deren Ergebnissen ich eine Regelung oder Berichtigung der wenig vorteilhaften Eindrücke erwartete, die ich auf der Berliner Ausstellung von dem gegenwärtigen Zustande eines Teiles der deutschen Malerei empfangeu hatte. Es war gut, daß ich mich damals so vorsichtig ausdrückte, daß ich dem Triumphgeschrei, das in München über dem glücklichen Gelingen der zweiten Jahresausstellung erhoben worden war, nicht allzuviel Vertrauen schenkte. Wohl ist das Gesamtbild oder, richtiger gesagt, der erste Eindruck, den man beim Betreten des Münchner Glaspalastes erhält, imponirend, zur Bewunderung zwingend. Die Münchner Künstlerschast versteht es vortrefflich, das Vestibül und die anstoßende gewaltige, bis zum obersten Glasdach hinaufreichende Halle stets so eigentümlich und wirksam herzurichten, mit so absonderlichen, durch die Erfindung oder durch die Ausführung überraschenden oder gar verblüffenden Kunstwerken auszustatten, daß selbst ein gewiegter Ausstellungsbesucher einer Ruhepause bedarf, ehe er von den: bunten Umschlag uud dem glänzenden Titelblatte des Vnches zu dem eigentlichen Inhalt übergeht. Wenn ein Riesenbild wie Siemiradzkis „Phryne in Eleusis" (Phryne schickt sich an, vor den zum Poseidonsfeste versammelten Griechen als Aphrodite Anadyvmcne ins Meer zu steigen) als mäßige Wanddekoration, gleichsam als Soprcipvrte verwendet werden kann, so giebt das eine Vorstellung davon, wie massiv in jedem Be-