Beitrag 
Der Wegfall des Sozialistengesetzes
Seite
341
Einzelbild herunterladen
 

341

Wir freilich kaum beklagen, da sich dieses im Laufe der Jahre immer mehr als eine verfehlte Einrichtung erwiesen hat. Aber mich manche andern freiheitlichen Gesetze würden dann wahrscheinlich als Opfer fallen oder doch wesentliche Beschränknugen erleiden, nicht allein für die Svzialdemvkratie, svnderu für alle Parteien. Die aber, die hiervon in erster Linie betroffen werden würden, sind die liberalen Parteien, Nicht allein die Freisinnigen, diesebeste Vorfrucht" der Svzialdemvkratie, sondern auch die gemäßigten Liberalen würden das schmerzlich zu empfinden haben, und eS würde für sie nur eiu geringer Trost sein, daß nunmehr doch auf dem Wege deSgeineinen Rechtes" gegen die Svzial­demvkratie vorgeschritten würde. Ein kleines Vvrspiel dieser Sachlage giebt schon jetzt die Erscheinung ab, daß die freisinnige Presfe gegen die Nnvrdnnng des Ministers, die eine strenge Handhabung der gesetzlichen Maßregeln gegen die Svzialdenwkmtie befiehlt, heftig ankämpft. Offenbar fühlen die Herren Freisinnigen, daß sich diese Strenge folgerichtig anch gegen sie kehren muß.

Es ist daher unsers Trachtens eine große Thorheit der liberalen Parteien gewesen, daß sie gegen das Svzialistengesetz mehr vder minder lebhaft angekämpft und dadurch dazu beigetragen haben, es zu Falle zu bringe». Die dadurch heraufbeschwvrenen Gefahren drvheu vvr allen ihueu selbst verberblich zu werden. Das Sozialistengesetz war die Versicherungsprämie, die die liberalen Parteien zu zahlen hatten, um den Fortbestand ihrer freiheitlichen Grundsätze zu sichern. Wem aber die Versicherungsprämie für sein Haus zu hoch dünkt, um sie ferner zu zahlen, der muß dann auch gewärtigen, daß, wenn ein Brand ausbricht, der Schaden anf ihm haften bleibt. Wir würden es beklagen, wenn die liberalen Parteien dieses Geschick träfe. Aber wundern würde es nnS nicht.

Der Patriotismus als Wurzel der Sittlichkeit

i

eun der Verfasser des unten genannten Schriftchens") einen patriotischen Berein nach dem Vorbilde des Tngendbundes ge­gründet hätte, dauu würden wir durch öffentliche Kritik des Unternehmens eine patriotische Pflicht zu verletzen glaube». Denn gute Werke soll mau nicht durch kritische Nörgelei in ihrem Fvrt- M'ge stören. Aber da es sich vorläufig mir um eine Schrift handelt, so ist Kritik nicht allein erlaubt, svuderu Pflicht, weil es die guten Absichten des

*) Schwarz weiß rot. Eine Ethik des Patriotismus. Von Th. Brecht. Heft II. Halle a. S., Engen Strien, 18S0.