12
Neue Gxik
betrachtet. Aus den hagern, eingefallenen Wangen, aus dem Znge leidvoller Entsagung um den Mund, aus dem ernsten, frageuden Blick würde man den Schmerz des großen Streiters herauslesen dürfen, dem es nicht beschieden war, bis zum letztens Atemzuge seinem Wahlspruche zu leben: ^.iÜ8 w^rviemio Musumor.
Neue Gpik
aß die Erzählung in Versen den Kampf nms Dasein mit dem Romau und namentlich mit der Novelle kämpft, ist eine bekannte Thatsache; die Abneigung des Publikums gegen Verse ist zn groß, als daß die Zeitschriften, von denen die schafsenden Dichter ^zunächst abhängen, den Mut fänden, die gebundene Sprache zu pflegen; sie würden damit nur ihren Absatz gefährden. Dennoch erscheinen jahraus jahrein metrische Erzählungen, und einzelnen Dichtern ist es sogar gelungen, gerade mit solchen Dichtungen Erfolg zu erringen. Die Form kann aber auch nicht aussterben, und man sollte von vornherein jeden loben, der den Mut findet, sie trotz der Ungunst der Zeit zu Pflegen. Für den rechten Dichter muß immer das Bedürfnis bestehen, das, was er zu sagen hat, anch schön und kunstvoll zu sagen, und dann greift er zum Verse. Die erhöhte Stimmung, das starke Gefühl, die Leidenschaft, die Andacht sprechen unwillkürlich in Rhythmen; der Vers hebt über viele konventionelle Formen hinweg und erlaubt, streng bei der Sache, dem poetischen Gefühl, zu bleiben. Der Vers ist konservativ im doppelten Sinne: er hängt am Alten und erhält das Neue; er verträgt keine Modesprache und sichert dein neuen Gehalt eine längere Dauer als die Prosa. Der Vers ist die beständigere Form, wie er auch die schönere ist und den Reiz des Kunstwerkes erhöht. Darum wird er aller Ungunst der Zeit znm Trotz immer wieder gewählt werden. Freilich birgt er für sich selbst einen so mächtigen Reiz, daß er auch Virtuosen der Dichtung schaffen kann, wie denn z. B. Julins Wolff gleich so ein Virtuos ist.
Nachdem er ein „Schelmenlied," einen „Minnesang," eine „Romanze," eine „Aventiure," eine „Waidmannsmär" erzählt uud gesungen hat, hat er nun schließlich eiu „Reiterlied" unter dem Titel: Die Pappenheimer angestimmt (Berlin, Grotc, 188V). Seine Leser können also bei seinen Büchern einen Kursus der Litteraturgeschichte gratis mitmachen, wenn sie die verschiednen Kostüme, die er im Laufe seiner litterarischen Thätigkeit angelegt hat, recht