Beitrag 
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Seite
379
Einzelbild herunterladen
 

««I

Maßgebliches und Unmaßgebliches Z?9

möglich mit gesonderten Eingängen) nnd zieht den fälligen Mietzins in ganz kurzen Zwischenräumen, etwa alle Wochen (des Sonnabends) ein, was sich am besten den Löhnungsverhältnissen anschmiegt. Wenn dieses Einsammeln des wöchentlichen Mietzinses durch menschenfreundliche Personen, etwa gebildete Franen, geschieht, so giebt das Gelegenheit zu fürsorglicher Annäherung; es erleichtert den Eingang der Zinsraten und sichert die Rentabilität des Unternehmens. Man hat daher bereits mehrfach auf diesem Wege gute Erfahrungen gemacht, und das menschen­freundliche Werk soll sich zugleich als gewinnbringend erwiesen haben. Ich wüßte auch nichts, was dagegen einzuwenden wäre, uud es ist nur zu wünschen, daß sich recht viele menschenfreundliche Spekulanten und spekulative Menschenfreunde fänden, die auf diesen Gedanken eingingen, und recht viele Frauen, die bei dem Geschäft des wöchentlichen. Zinseinsmnmelns ausdauernd zur Haud gingen. Ich kaun aber uicht verhehlen, daß ich fürchte, es konnte leicht an solchen helfenden Händen fehlen und die Ordnung gefährdet werden, denn die Frauenwelt läßt sich nicht so auf­rufen und kommandiren wie die Männerwelt. Schon aus diesem, aber auch aus andern Gründen wird der vor- und eingeschlagene Weg kaum je zu großen Er­folgen führen. Der Gedanke ist nicht auf Massenwirkung berechnet, nicht für solche geeignet; die Wohnungsnot ist aber eine Massenfrage. Es handelt sich da um einen Abgrnnd, der ein Meer fassen kann; was helfen dn Tropfen? Nnd wenn sich mehrere hnndert solcher kleinen Mietzinsunternehmungen in einer Großstadt glücklich entwickelten, was wäre das, wo vielleicht Fünfzig- oder Hunderttausende nach bessern Wohnungen schmachten?

Ich meine daher, ohne damit den eben betrachteteu Weg verachten zu wollen, daß ein dritter Weg gesucht, eine Form gewählt werden müsse, die eine Ent­faltung zu größerer und größter Ausdehnung ohne Schwierigkeit zuläßt. Ich nieine den Weg der Assoziatiou von Hauseigentümern zu großen Mietzinsvereinen, in denen den Teilnehmer» eine gewisse Rentabilität verbürgt wird. Man bemächtige sich nur des auf jenem zweiten Wege erprobten Mittels, eine wöchentliche Ein- sammlung des Mietzinses in menschenfrenndlicher Weise durchzuführen.

Werden solche Vereine leicht zu stände zu bringen sein? Sie werden es sein, wenn die Rentabilität dieser Vermictnngsform erwiesen wird. Ich denke aber, daß die Rentabilität kein Hirngespinst ist. Man erwäge nur, daß die kleinen Woh­nungen wie die verhältnismäßig teuersten für die Abmieter, so die verhältnis­mäßig einträglichsten für die Vermieter sind, und daß der schwache Punkt der kleinen Mietverhältnisse, das unregelmäßige Eingehen des Mietzinses, bei den Ver­einen, wie sie gedacht sind, durch die Art des Einsammelns auf das geringste Maß zurückgeführt wird, ja durch die Bürgschaft des gesamten Vereins so gut wie ganz beseitigt werden kann.

Wäre ein solches ausgleichendes Medium gegeben, so würden Hausbesitzer und Hauserbnuer leichter geueigt sein, etwa in den: dritten oder vierten Stockwerk kleine Jamilienwohnungeu einzurichten; sie schlössen sich dem Mietzinsverein an und er­langten dadurch die Gewißheit regelmäßigen Einkommens aus dem Hause. Auf diesem Wege würden sich die kleinen Wohnungen durch die Häuser, Straßen, Viertel zerstreuen und verteilen, eine Häufung nnd Reibung der gefährdeten und gefähr­lichen Bevölkernngselemente vermieden und eine gesuude Berührung der Bemittelten nnd der Unbemittelten gefördert werden.

Ein solcher Verein zu Schutz und Trutz iu Mietzinsangelegenheiten könnte mehrere Straßen umfassen. Die Praxis müßte zeigen, welchen Umfang er an­nehmen kann. Durch die Mitgliederbeiträge wären die Verwnltnngskosten zu decken.