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Aus der Stadt des Reichskammergerichts
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^74 ^us der St^dt >>>>s Reichskmnmergenchts

Gerichts und tvurde hier zunächst einen? feierlichen vxiimLn Asuvr^Ic! unter­worfen, bei dein seine Examinatoren, zwei Beisitzer des Gerichts, sich mit bedecktem Haupt auf ihreu Platz setzten, während der Examinand auf einem niedrigen Schemel Platz nahm und nun nach Namen, Religion, Adel und ob und wo er promovirt habe, gefragt wurden Darnach erhielt er eineuStock" Akten zur Relation, und das sxuurvn AsinziÄv war zu Ende. Wurde die Relation in dem darauf folgenden öxairuzn spsomlc- für genügend erachtet, so wnrde er gewählt und einberufen, manchmal freilich erst uach Jahren. Seine feierliche Einführung erfolgte in öffentlicher Sitzung des Gerichts: hiuter dem Pedell, der den Gerichtsstab in der erhobenen Rechten trägt, tritt der ueu- erwählte Assessor in den Saal vor das versammelte Gericht; in der Mitte sitzt der Kammerrichter ans einem drei Stnfen hohen Thron in einem rotsammtenen, mit goldnen Tressen besetzten Armsessel, unter einem Baldachin von rotem Seidenzeug mit goldnen Tressen; zu seiner Rechten und Linken stehen zwei Lehnstühle für die beiden Präsidenten, daran reihen sich die rotausgeschlagnen Bänke für die Assessoren. Sobald der Pedell vor der feierlichen Versammlung angekommen ist, überreicht er dem Kammerrichter den Gerichtsstab, der neu­ernannte Beisitzer spricht dem Protvnotarius, d. h. dem ersten Gerichtsschreiber, deu Eid nach und berührt den Gerichtsstab, während alle übrigen Mitglieder des Gerichts, die bis dahin gesessen haben, sich erheben und das Haupt ent­blöße!?. Damit ist der Präsentirte ordentliches Mitglied des Gerichts geworden.

Der äußere Glanz, deu das Neichskammergericht entwickelte, behagte deu gewerbtrcibendeu Klassen der Stadt, da es ihre Einnahmen vermehrte. Sie ließen sich deshalb das oft hochfahrende Wesen der Gerichtsmitglicder um ihres Borteils willen gern gefallen. Die untern Stände dagegen und die Geschlechter der.Stadt, denen das Neichskammergericht wenig eintrug, fühlten sich in ihrem Stolz als freie Reichsbürger mehr als einmal gekränkt, nnd nicht immer herrschte Friede und Eintracht zwischen dem höhern Bürgerstande nnd den reichskammer- gerichtlichen Kreisen, zn denen nur der Adel Zutritt hatte. Noch zur Zeit der französischen Revolution hielten die hohen Herren mit zähem Sinn an ihren exklusiven Neigungen sest, nnd der arme Jerusalem Goethes Werther hat es schwer büßen müssen, daß er sich einst in ihre Mitte gewagt hatte. Er hatte einem der Präsideuten, an den er empfohlen war, einen Besuch gemacht uud sich dabei über den Beginn der Gesellschaftsstnnde hinaus verspätet. Und nun erscheinen sie plötzlich einer nach dein andern nnd rümpfen die Nase über den bürgerlichen Eindringling, zuerst dieübergnädige Dame von S mit ihrem Herrn Gemahl nnd wohlausgebrütetem Gänslein Tochter mit der flachen Brust und dem niedlichen Schuürleibe, die cm p-z-ssaut ihre herge­brachten hochadlichen Augen und Naslöcher machen," dannder Baron F mit der ganzeu Garderobe von deu Kröuungszeiten Franz I. her, der Hosrat N,