Beitrag 
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Seite
46
Einzelbild herunterladen
 

46

Litteratur

eine so schöne Gelegenheit nicht entgehen lassen. Personen aber, denen die Börse Gymnasium, Universität und Gesellschaft ist, können doch glauben, guter Ton sei der, in dein erhitzte Jobber in schwierigen Augenblicken mit einander zu Verkehren lieben. Und muß es endlich nicht solche Biedermänner kränken, daß auch jetzt, wo der Abscheuliche, der die Bamberger und Richter nicht hat ans Staatsruder kommen lassen, zurückgetreten ist, in der weiten Welt niemand an die Staatsmänner der freisinnigen Fraktion denkt? Muß das Blut der Gesinnungsstruppigen nicht in. Waltung geraten, wenn überall, wo eine Zeitnng gedruckt wird, wahre Hymnen ans den ersten Kanzler des deutschen Reiches erscheinen, und nichts als Hymnen? Da galt es zu zeigen, ,,daß Niedertracht auf Erdcu uoch uicht ausgestorben" sei. Und das ist vollständig gelungen. Wir bedauern nnr das eine, daß die Zeitungs­expeditionen nnd die Postämter nicht die Gewohnheit haben, die Pränumeranden- listen zu veröffentlichen; wie interessant wäre es, zu erfahren, welches Publikum an solchen Leistnngen Gefallen findet!

Litteratur

Hans Ulrich Freiherr von Schaffqotsch. Ein Lebensbild ans der Zeit des dreißig­jährigen Krieges von G. Krebs. Bresl-iu, W. G. Kvrn, 1890

Der Lcbenslnnf eines in schwankender Zeit schwankend gesinnten. Unter der berühmten Erklärung der wallensteinschen Offiziere in Pilsen von: 12. Januar 1634, deren Schlußsätze nnd Unterschriften diesem Bliche in einer Lichtdrnckkvpie beigegeben sind, steht als Dritter zwischen Jlvw und Ottavio Pieevlvmini Hans Ulrich Schaff- gotsch; und da von so vielen Unterzeichnern gerade er diese Unterschrift mit dem Leben büßen mußte, könnte man glauben, er habe zu den Vertrautesten des Fried- länders gehört. Doch legt diese Schrift in überzeugender Weise dar, daß seine eigentliche Schuld nur Charakterschwäche war. Der durch Abslammnng und Besitz in Schlesien einflußreiche, Protestant nahm Dienste in dem Heere des Kaisers, der die Ausrottung der Ketzerei im deutschen Reiche, als seine Herrscherpflicht betrachtete; wohl eben als Schlesier mochte er für Waldslein von höherm Werte sein, als durch seine, wie es scheint, nicht sehr hervorragenden militärischen Eigenschaften, und eben deshalb werden die dem Wiener Hofe ergebenen Gellerale. ihn mißtrauisch beobachtet haben wer die böhmische Krone gewann, hatte ans Schlesien Anspruch. Über Waldsteins Absichten mußte Schaffgotsch durch deu Aufeulhalt in Pilsen auf­geklärt werden, allein er wollte nicht klar sehen, um freie Entschließung zu behalteil, auf welche Seite er sich je nach den Aussichten schlagen solle; er nahm eine Ab­schrift der Pilsener Erklärung mit zurück nach Schlesien, um sie seinen Offizieren zur Unterzeichnung vorzulegen, zögerte hiermit, bis der rechte Zeitpunkt versäumt war, luid rückte mit dem Schriftstück heraus, als in Eger bereits die Entscheidung gefallen war u. f. w. Auch unglückliche Zufälle kamen hinzu, lim ihn scheinbar