Beitrag 
Allerhand Sprachdummheiten :
(Fortsetzung)
Seite
615
Einzelbild herunterladen
 

015

wie von einer den Fürstensohn befallenen Krankheit, einem den Lokomvtiven- führer betroffenen Unglück, einer zwischen den Parteien gewalteten Un­einigkeit, einem seit langer Zeit bestandenen Snntmarkt, einer im vorigen Jahrhundert vbgeschwebten Rechtssache nnd ähnlichem grammatischen Schand­zeug, das man alle Tage lesen kann. Und er thut auch klug daran, denn solche Verbindungen sind und bleiben gegen das deutsche Sprachgefühl, so häufig sie auch von Ungebildeten gebraucht werdeu. Vor kurzem hatte ich an mehrere Hundert Personen eine Zuschrift abzufassen, aus die ebenso viel hundert teils ablehnende, teils zustimmende Antworten eingingen. Ich beauftragte einen dienst­baren Geist, einen Schreiber, mit der Durchsicht und Ordnung der eingelauseueu Antworten. Als er fertig war, legte er mir zwei Mappen vor, und auf der einen staud: abgelehnte Schreiben, ans der andern: angenommene Schreiben. Was soll das heißen? fragte ich. Nun, das hier sind die Schreiben, die angenommen haben, nnd das hier sind die, die abgelehnt haben. Großartig interessanter Fall für den Germanisten nicht wahr? Aber so würde doch selbst der liederlichste Zeitungsschreiber nicht schreiben. Wie soll man denn aber das falsche stattgehabt und stattgefunden ver­meiden? Es ist doch so kurz und bequem, soll man immer Relativsätze bilden? Nein, man soll schreiben: die veranstaltete Feier, die abgehaltene Ver­sammlung, die vorgenommene Abstimmung, die bewilligte Audienz u. s. w. Mit ein klein wenig Nachdenken ist der langweilige Fehler sehr leicht zu ver­meiden.

(Fortsetzung fvlgt)

Wie auf dem Lande gewählt wird

enust du den Vogelsberg? Wahrscheinlich nicht, denn dieses von der gewöhnlichen Heerstraße abliegende Gebirge zwischen Weiterem einerseits nnd Fuloa- und Kinzigthal anderseits hat es noch zu keiner großen Berühmtheit gebracht. Zwar hat sich ein Vogelsberger Höhenklub gebildet, zwar hat dieser ein Vogelsberger Höhenklub- Liederbuch und eiuen Führer durch den Vvgelsberg herausgegeben,

aber weder Bädeler noch Meyer, nach denen der größte Teil der Reisenden sein Reisepensum abläuft oder abfährt, erwähnen seiner. Nur von ferne sieht der auf den vielbefahrenen Schienensträngen dem holdern Süden entgegenfahrende Reisende seine hinter einander sich auftürmenden Höhenzüge erblaue«, und meint, da drüben sei nichts, was das Sehen lohne.