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Allerhand Sprachdummheiten :
(Fortsetzung)
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Vorhang und Drama

In unserm heutigen Schriftdeutsch liegt der Kanzleistil oft unmittelbar neben dem Telegrammenstil. Auf der einen Seite ein Streben nach Kürze, bei der alle organische Verbindung aufgehoben wird, die Wörter nicht einmal mehr agglutinirt" (zusammengeleimt), sondern nur noch neben einander gesetzt werden, wie ein Kind bunte Steinchen auf dem Tische an einander reiht; und dicht daneben und mitten drin eine schwülstige Breite, die sünf Silben braucht (wel eher letztere), wo drei Buchstaben (d e r) genügen!

(Fortsetzung folgt)

Vorhang und Drama

von Heinemann

(Schluß)

chon die erste hierher gehörige Stelle in der Hainburgischen Dramaturgie (l.'Z. Stück) hat etwas Auffallendes: Es handelt sich um die Übersetzung desPoetische» Dorfjunkers" von Destouches, in der die Übersetzerin, Frau Gottsched, aus drei Akten des Originals fünf Akte gemacht hatte.Was kostet das auch für Mühe? sagt Lessing man läßt in einem andern Zimmer einmal Kaffee trinken, man schlägt einen Spaziergang im Garten vor; und wenn Not an den Mann geht, so kann ja auch der Lichtputzer herauskommen und sagen: Meine Damen und Herren, treten sie ein wenig ab; die Zwischenakte sind des Putzens wegen erfunden, und was hilft ihr Spielen, wenn das Parterre nicht sehen kaun?" Der Witz Lessiugs erscheint uns zuerst nicht recht verstündlich. Wie kann ein Dichter auf diese Weise eiueu Akt schließen wollen? Erst wenn wir annehmen, daß auch sür Lessiug die Entfernung aller Personen von der Bühne am Schlüsse des Aktes Erfordernis war, verstehen mir seinen Hohn/") Diese Annahme bestätigen seine Worte im 45. Stücke; er verlangt

Sein Spott richtet sich also nicht etwa dagegen, daß Frau Gottsched stets am Schluß des Aktes die Bühne leer werden läßt, sondern gegen die ungeschickte Art, wie sie das thut, und die äußerliche Begründung. Zur Probe dieser Motivirung verweise ich auf ihr Lustspiel Das Testament." In, ersten Aktschluß dieses Dramas wird die Leere der Bühne dadurch erreicht, daß Frau von Tiefenborn sich entschließt in einem andern Zimmer mit dem Arzt die Schokolade einzunehmen, am Schluß des zweiten Aktes begiebt sie sich mit ihren Gästen zum Mittagessen, und am Schluß des dritten Aufzuges ist es gerade Zeit zum Kaffeetrinken, eine Gelegenheit, die sich Frau von Tiefenborn nicht entgehen liiszt, den Herrn Landrat zu einer Tasse ^- natürlich in einem andern Zimmer einzuladen.