Die Ausbildung für das Lehramt an den höhern
Schulen
ie Denkschrift des preußischen Kultusministers betreffend die praktische Ausbildung der Kandidaten für das Lehramt der höher» Schule» ist uliterm t!>. Januar d. I. an den Präsidenten des Hauses der Abgeordneten gelangt. Sie zerfällt i» zwei Teile. Der erste enthält die Begründung, der zweite die Gruudzüge für die Ordnung der praktischen Ausbildung der Lehramtskandidaten.
Es sei inis gestattet, in Kürze Stellung zu diesem. Aktenstück zu nehmen, das einen wichtigen Abschnitt in der preußischen Schulgeschichte bedeutet und vhne Zweifel nicht ohne Wirkung auf die übrigen deutscheu Staaten bleiben wird.
Die Denkschrift geht von der Thatsache aus, daß mitten unter den mannich- fachsteu Vorschlägen und Verbessern ngspläuen zur Schulreform iu einem Punkte alle Beteiligten übereinstimme«: eine zweckmäßigere, praktische Vorbereitung der angehende» Lehrer auf ihren künftigen Berns zu treffe», ist ei» dringendes Bedürfnis. Die allgemeine Überzeugung geht dahnn es muß das tastende Versuchen der jungen Lehrer auf Kvsteu der Schiller aufhören; es genügt nicht allein die wissenschaftliche Kenntnis bestimmter Lehrfächer, sondern es muß ein eingehendes pädagogisches Studium hinzutreten, und zwar durch Lehre und Beispiel, da die Pädagogik nicht bloß eine Wissenschaft, sondern auch eiue Kunst ist.
Freilich gehen die Meinungen sogleich auseinander, sobald die Mittel nnd Wege ins Auge gefaßt werdeu, wie diese pädagogische Ausbildung in der geeignetsten Weise zu erfolgen habe.
Bisher ist sie in Preußen (nach der vorliegenden Denkschrift) ans zwei Wegen versucht worden; erstens in elf praktisch-pädagogischen Seminaren, die von der Universität getrennt sind (die fünf altern sind die zu Berlin, Stettin, .Königsberg, Vreslau, Gvttingen, die sechs neuern die zn Magdebnrg, Dauzig, Posen, Kassel, Münster, Koblenz). Die Einrichtung soll im Laufe der Zeit im ganzen gute Früchte getragen haben, wenn mich ziemlich allgemein eine auf ein Jahr beschränkte Ausbildung der Kandidaten für zn kurz gilt, und insbesondre eine längere Zeit fortgesetzte praktische Übuug gewissermaßen als Probe der Rechnung vermißt wird. Die genannteu Seminare können nur etwa ein