^ie brasilische Revolution in andrer Beleuchtung
us Rio de Janeiro sind weitere Mitteilungen über den Verlauf der dortigen Revolution eingetroffen, die unsre ersten Nachrichten über das Ereignis teils ergänzen, teils berichtigen, und die, da es hiernach in einem Hauptpunkte in anderm Lichte er- ^.scheint als in dein nnsers frühern Aufsatzes, zu nochmaliger ^'tnichlmig der Sache anffvrdern. So lange wir auf die Telegramme beschränkt waren, worin die provisorische Regierung den Hergang dem eurv- pluschen Zeitnngsleser bekannt machte, mußten wir glauben, die Veränderung oer Regierung^form habe sich vhue oder doch beinahe ohne alle Anwendung vvn Gewaltmitteln, so zu sagen in aller Güte, etwa wie die freiwillige Trennung von Ehegatten, vollzogen. Das Volk Brasiliens, so durfte» wirs uns vorstellen, erhob sich in seiner großen Mehrzahl, um die Republik auszurufen, wobei es nur Spazierstocte, vielleicht Regenschirme in der Hand hatte. Der Kaiser wurde höflichst davon iu Kenntnis gesetzt, er dachte nicht daran, sich M sträuben, der abgedankte Monarch ließ sich mit einem guten Ruhegehalte ""finden und ging, nachdem sich beide Teile mit artigen Verbeugnngen von mmuder verabschiedet hatten, an Bord eines Schisfes, das ihn nach der alten ^>elt brachte. Der zwar ein wenig unregelmäßige, aber leicht und ohne Härten Nch abspielende Auftritt eudigte mit Blumenwerfen des Volkes und den Klängen enier sanften Musik. Jetzt erfahren wir, daß die Geschichte doch wesentlich anders verlaufen ist. Die Entthronung Pedros II. war nicht die Folge einer Volkserhebung, obwohl es allerdings in den ehemaligen Sklavenhaltern und m den Republikanern Unzufriedene in großer Zahl gab; sie wurde vielmehr durch eine Meuterei der Besatzung Rivs herbeigeführt Diese spielte nicht das bloße Werkzeug, sondern die Hauptrolle bei dem Drama, ja fast die einzige Grenzten IV I8«l> 6«