Litteratur
Boiu Ursprung sittlicher Erkenntnis. Bon Franz Brentano. Leipzig, Dnncker 6- Humblot, 1889
Diese Schrift vereinigt zwei Gelegenheitsarbeiten, einen dein Haupttitel entsprechende» Vortrag, den der Verfasser unter der Bezeichnung „Von der natürlichen Sanktion für recht nnd sittlich" in der Wiener Juristischen Gesellschaft gehalten hat, nnd als Anhang eine Rezension der Schrift des Sprachforschers Miklvsich über „Subjektlose Sätze." Sie will gleichwohl „Früchte von jahrelangem Nachdenke« bieten," nnd der Verfasser bekennt, daß „unter allein, was er bisher veröffentlicht, seine Erörterungen wohl das gereifteste Erzeugnis bieten." Sie gehören zum Gedankenkreise einer deskriptiven Psychologie," die er, „wie er nunmehr zu hoffen wogt, in nicht ferner Zeit seinem ganzen Umfange nach der Öffentlichkeit erschließen kann." Wir geben diese Einführungsworte nicht ohne Absicht in ihrer Fassung wieder, denn sie sind bezeichnend für den nicht immer geschmackvollen Ton, der sonderbarerweise gerade in den vielversprechenden umständlicheu Iuhaltsbezeichuuugen und den oft heftig-polemische» Aumerkungen des Buches herrscht. Nicht geschmackvoll wolle» wir ihu ebeu »ur »emien, weil er i» starkem Mißverhältnis steht zu dem, was der Verfasser vorläufig bringt. Es entspricht wenigstens nicht diesen tönenden An- kündiguugcu. Das beliebte Gelehrtenspiel, die praktische Vernunft aus der Welt zu schaffen und nicht bloß durch die theoretische Vernunft, sondern durch dnS, was man in der Zeit der Geistesvermögeneinteilung Verstand oder Urteilskraft nannte, dnrch eine je »ach der Anlage verschieden große, gegenwärtig natürlich „entwickelte" Klugheitslehre zn ersetzen, das muß schärfer, umständlicher und ohne bloße Beschränkung auf den logischen Apparat durchgeführt werden, um der Idee des Verfassers von der Bedeutung dieses Unternehmens zn entsprechen. Der kategorische Imperativ ist, schon ehe er „erfunden" war i.ewig denkwürdige That eines weisen und guten Mannes, auch wenn sie, wie alles, verbesserungsfähig ist) zu allen Zeiten eine „unbrauchbare Fiktion" genannt worden und hat gleichwohl kräftig fortgewirkt. Sonst stünden wir allezeit in jenen Zuständen, die der Verfasser nun unter Darwins Gevatterschaft „vorethische Zeiten" nennt, da das Kind nnter der Ronssenuschen Bennmsuug „Naturzustand" gegenwärtig etwnS aus der Mode gekommen ist. Der Name ist durchaus nicht glücklicher zur Bezeichnung eines vorauszusetzenden vorstaatlichen Zustandes. Die Ausführungen sowohl als die Polemik des Verfassers leiden bei aller gelehrte» Dialektik au dem Mangel, daß doch niemals das zum Ausdrnck kommt, was der Verfasser im Kerne meint.
Platons Technik an Symposion und Euthydem nachgewiesen von Ludwig Sybel. Marburg, R. G. Elwert, 1889
Die der gleichen Richtung nugehörige Schrift des Verfassers „Platons Symposion ein Programm der Akademie" ist au dieser Stelle bereits erörtert worden.