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Die Davidsbündler : ein verloren geglaubter Aufsatz Robert Schumanns
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Die Davidsbündler

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hange des Ganzen verständlich wird, endlich weil wohl die wenigsten Leser in der Lage sein werden, Jansens Buch sofvrt zur Ergänzung herbeizuziehen. In einer neuen Ausgabe der Schriften Schumanns wird der Aufsatz uatürlich nicht fehlen dürfen. Folgendes ist sein Wortlaut.

Die Davidsbündler

Mitgeteilt von S* 1. Leipziger Musikleben Erster Artikel

Ein Fenster ward über mir hastig zugeworfen, hinter dem ich im Halb­schatten einen scharfen, schiefnasigen Schwedenkopf erkannte. Als ich eben aussah, flog und spielte mir etwas wie feindnftendes Vlätterlaub um die Schläfe: herunter­geworfenes Papiergeschnitzel wars. Aber wie angewurzelt las ich zu Hanse auf einem in stärkeres Papier gewickelten Blatte folgendes:

Unsre italienischen Nächte Währen fort. Der Himmelsstürmcr Florestau ist seit einiger Zeit stiller denn je und scheint etwas im Sinne zu haben. Eusebius liest aber neulich eiu Paar Worte falleu, die den Alten wieder in ihm weckten. Jener sagte nämlich nach Lesung einer Jrisnninmer: Er machts aber zu arg. Wie? was? Ensebins, fnhr hier Florestan auf, Rellstab machte es zu arg? Soll denn diese verdammte deutsche Höflichkeit Jahrhunderte fortdauern? Während die litterarischen Parteien sich offen gegenüberstehen, und befehden, herrscht in der Kunstkritik ein Achselzucken, ein Zurückhalten, das weder begriffen, noch genug ge­tadelt werden kann. Warnm die Talentlosen nicht geradezu zurückweisen? Warum die Flachen und Halbgesnnden nicht ans den Schranken werfen samt den An­maßenden? Warum nicht Warnungstafeln vor Werken, die da aufhören, wo die Kritik anfängt? Warum, schreiben die Autoren nicht eine eigne Zeitung gegen die Kritiker und fordern sie auf, grober zu sein gegen die Werke? Hat nur einer angefangen einzuschlagen und zu dezimiren, so seid ihr außer euch. Ist deuu die Waffe, mit der jener Ehrenfeste angreift, der Spott, der nur verwundet, nicht tötet, nicht noch gut genug für eine Klasse, die, mit Stumpf und Stiel ausgerottet werdcu muß? Siud denu überhaupt edlere Tiere nicht leichter zu vertilgen als gemeine ich bitte dich, Ensebins! Aber nun wird es einmal Zeit, nufzusteheu gegen das Schutz- und Trutzbünduis, was die Gemeinheit mit dein Trotze geschloffen hat, ehe es über uus zusammenwächst uud dein Jammer gar kein Ende abzusehen ist. Aber was meint Ihr, Meister Naro?

Du kennst Naros greifenden Sprachstil, durch deu italieuischeu Aecent noch fremder gemacht, wie er ordentlich fugenartig Satz an Satz reiht, auseinanderlegt, Wieder verschränkt, noch enger führt, am Schlnsse noch einmal alles zusammenfaßt und zu sngeu scheint: das wollt ich.

Florestau, erwiederte der Meister, Ihr sprecht wahr, obgleich ich Eure Aus­drucksweise nicht billige. Ziehe die Maske ab, wo es ans die höchsten Güter und Fähigkeiten des Geistes ankommt! Ich nehme die einzelnen Hohen ans sie wissen vielleicht nicht einmal, daß sie, gemeint sind. Aber welche Zeit! Reizt das Natürliche noch? ists nicht der Putz, das Verhüllte? Rührt das Große uoch? muß es nicht prächtig sein? Bleibt nicht das Studium auf halbem Wege stehen, nm gleich nach dem Letzten zu greifen? Giebt sich nicht eine Geheimnisthnerei den Schein des. Hier war das Blatt abgerissen; ans der Rückseite stand aber!