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Litteratur
über Lautmalerei und Bedeutung der Laute (S. 47 ff.), die allerdings nur schlichtem vorgebracht werden, etwas zu weit.
Aber was will das heißen gegen den Genuß, den es bereitet, jemand reden zn hören, der mit der unverkennbarsten, kindlich aufrichtigsten Frende dem Denken des Volkes ans seinen bisweilen gnr verschlnngnen Pfaden nachspürt, über seine gedankenlasen Dnmmheiten gemütlich zn lachen und ihnen doch zugleich eine höhere, sozusagen philosophische Bedeutung zu geben versteht? Man hat wohl anch schon manchmal solche Wendungen gehört, wie sie in dem Kapitel von unmittelbaren Widersprüchen und gedankenlosen Übertragungen vorgebracht werden: „Wie der Baum dort heißt? Er heißt die Gelberöder Kiefer, ist aber eigentlich eine Schwarzpappel." „Mein Vater war Milchfrau (oder Brezeljunge)." „Eiu bißchen dnmm ist ja am Ende jeder, aber so dumm wie mancher ist doch eigentlich keiner." Aber diesen und andern Spaßen nnu auch eine ernste wissenschaftliche Seite abzugewinnen nnd trotzdem nicht langweilig zu werden, das ist Polles Kunst.
„Es ist ein geistreiches Buch, und man merkt es ihm gar nicht an" (S. 13).
Reichstreu-Denkfrei. Gedichte zn Schutz und Trutz aus der Schweiz. Vvn Ernst Ludwig Nochholz, Leipzig, Ncniert und Rvccv, 1389
Eiu alter Kämpe — „er kam in jenein Jahr zum Lichte, als korsisch war der deutsche Stil" — „legt dieses Stammbuch tief bescheiden ans Fußgestell zn des Baterlands Trophäen und geht zur Ruh." Bei wackerer Gesinnung, die sich so einführt, verbietet sich strengere, tunstmäßige Kritik, die sich der als Geschichts- und Sagen- forscher verdiente Dichter gelegentlich selbst verbittet. Wem die Musterkarte des Jahrhunderts von einem Zeitgenossen Goethes, ArndtS und Zahns unter deutschschweizerischem Gesichtspunkte merkwürdig erscheint, verabsäume nichl, in das hübsch ausgestattete Bnndchen hineinzusehen. Wahrlich eine bnnie Mischung! Germanischer Tugendbnnd und Juliradikalismus, David-Stranßsche Chrislenverfolgnng und Antisemitismus, fortschrittlicher Männerslolz vor Königsthronen nnd reichspatriotische Wallungen gegen die romanischen Schweizer — das alles iu eiuem Stil, iu dem die Romantik über das jnnge Deutschland dein modernsten poetischen Kraftstil des „Züricher Verlagskomptoirs" die Hand reicht. Manchmal setzt ein glücklicher Liedrefrain ein, der bei -derber deutscher Vvlksnatur wohl zu etwas Bercmger gleichwertigem sich hätte anSbilden können. Aber ein dentscher Litternt hat dazu allemal zuviel studiert. Der Verfasser, von Haus aus selbst Franke, hat die fränkische Dichtertrias Jean Paul, Rückert, Platen gekannt, ethnographische Ausfälle deuten auf seine Studien.
Zur Beachtung
Mit dem nächsten Veste beginnt diese Zeitschrift das 4. Vierteljahr ihres 45. Jahrganges. Sie ist durch alle Buchhandlungen und vostanstalten des ^sn° und Auslandes zu beziehen, preis für das Vierteljahr g Mark, wir bitten um schleunige Erneuerung des Abonnements.
Leipzig, im September Mg ^ s , ...
Die Verlagshandlung
Für die Redaktion verantwortlich: Johannes Grunow in Leipzig Verlag von Fr. Wilh. Grnnow in Leipzig — Druck von Carl Marquart iu Leipzig