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Lehrbuch der historischen Methode. Mit Nachweis der wichtigsten Quellen und Hilfs­mittel zum Studium der Geschichte. Von Ernst Bernheim, Professor der Geschichte zn Greifswald. Leipzig, Dnncker und Humblvt, 1889

Dieses große Werk, das für den Historiker von Fach bestimmt ist, kann, in diesen Blättern nicht mit der erforderlichen Genauigkeit beurteilt werden. Ein junger Historiker wird mit Nutzen die Quellenkunde und deren Hilfswissenschaften studiren, die Quellenkunde kritisch Verfölgen und auch die Winke über die Interpretation der Quellen, die sehr ins einzelne gehen, gern benutzen. Selbst die wenigen Notizen über die zweckmäßige Darstellung des Stoffes sind nicht ohue Bedeutung für ihn. In dem grundlegenden Teil über den Begriff der Geschichtswissenschaft und dem Hauptkapitcl über Methode liegt zwar viel, was zugleich weitere Kreise interessirt, aber auch viel sehr Strittiges daneben. Die Form einer Definition wird jetzt nicht mehr so hoch geschätzt wie ehemals, und so kann man der Definition der Geschichte, sie seiWissenschaft von der Entwicklung der Menschen in ihrer Bethätigung als soziale Wesen," auch bei einer gewissen Zustimmung doch nicht die Kraft beimessen, einige brennende Fragen von ihr aus zn entscheiden. Denn mau kauu leicht be­merken, daß die Definition ein Ideal anfstellt und so ergänzt werden mnß: wenn es eine Geschichtswissenschaft giebt, so muß sie das »ud das sein. Es ist aber so gnt wie sicher, daß nur dies Ideal noch nicht verwirklicht haben, nnd sehr wahr­scheinlich, daß wir es nie verwirklichen werden. Das ist freilich unser allgemeines Los, aber wir müssen uus doch sagen, daß die Defiuitioneu der idealen Geistes­wissenschaften dadurch etwas au logischem Wert verlieren.

Bernheim sondert, wie es gewöhnlich geschieht, sorgfältig die Hilfswissenschaften der Geschichte von der Geschichte selbst. Aber sollte nicht auch die Betrachtung richtig sein, daß die heutige sogenannte Geschichte eine Hilfswissenschaft der künftigen wirklichen Geschichte sei? Gewiß hat er Recht, wenn er die Geschichte nicht ans politische Geschichte beschränkt, aber wenn ein Mitfvrscher sagt: Bei dem mangel­haften Betriebe der jetzigen Geschichtsbetrachtung, bei ihrer Zerflossenheit u. s. w. leiste ich der Zukunft einen bessern Dienst, wenn ich mich ans den politischen Rahmen beschränke, so ist dagegen mit einer Definition des Ideals nichts zn machen; ebensowenig ist über die Wirklichkeit, Möglichkeit und Methode der Knltur- geschichte darans die viel erstrebte Einsicht zn gewinnen. Erst praktische Rücksichten müssen für die Bearbeitungen der Geschichte als entscheidend gelten. Das thut aber dem Werke Bernheims keinen Abbruch. Sem Lehrbuch wird ein Bestandteil der Bibliothek jedes historischen Seminars seiu müsseu.

Der Einfluß der Neligiou auf die Eutwickluug des Eigentums. Von Lndwig Felix.

Leipzig, Dnncker und Humblot, 1889

In diesem Werke wird uus ei« sehr wertvoller Beitrag zur Kulturgeschichte nnd Nationalökonomie dargeboten. Auf einem weiteu religivs-geschichtlicheu Bodeu hat der Fleiß des Verfassers seinen Stoff zusammcugeleseu nnd in eine lesbare Form gebracht. Von Zeit zu Zeit sammelt er die Fülle der Ergebnisse seiner Arbeit iu eiue Übersicht, um dem Leser eine Erleichterung zu gebe«. Der erste Abschnitt zeigt im allgemeinen, wie die Religionen die Autorität, die Vorbedingung von Staat uud Eigentum begründen »ud so das Recht vou deu Göttern ableiten, Grenzboten III 1889 78