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ihre irrigen Meinungen suchen. Nur darf man nicht so weit gehen wie jener Arzt, der vvr kurzem in einer Wochenschrift sagte: Mag man sonst vom Materialismus denken, was man will, den Ruhm kann man ihm uicht streitig machen, daß wir ihm unsre moderne Naturwissenschaft verdanken. Nein, die verdanken wir ihm nicht. Doch darüber ein andermal.
Kaiserin Katharina und Melchior Grimm
n der kaiserlichen Bibliothek zu Petersburg ist eine der besten Pvrträtstatuen Voltaires aufgestellt, sie entstammt dem Meißel deS berühmten Houdon. Dn thront nun der Patriarch von Ferney inmitten der Bücherschätze, die einst seine Waffen waren, umgeben von seinen eigenen Werken, mit denen er die Bildung des Zeitalters bestimmte. Der Fremde aber, der in den Saal tritt, wird vor allein an den großen Einfluß erinnert, den der Geist Voltaires eben hier in diesem Rußland oder doch am russischen Hofe, in der vornehmeil Gesellschaft von Petersburg beinahe ein halbes Jahrhundert hindurch ausgeübt hat. Las doch schon Kaiserin Elisabeth (1741—62) mit Vorliebe Voltaires Bücher, und ihr Günstling Jwau Schuwalow korrespoudirte mit ihm. Katharina aber konnte sich später in vielen Dingen geradezu als eine Schülerin Voltaires bezeichnen, schon vor ihrer Thronbesteigung hatte sie sich mit allem bekannt gemacht, was er geschrieben hatte, später sagte sie selbst: „In meiner Jugend wollte ich alles nach Voltaires Sinn und Schriften haben." Aber auch als Kaiserin bekannte sie sich noch oft genug zu seinen Ideen, ließ sich mehr als selbst Friedrich der Große mit ihm und der Schar seiner Getreuen in litterarische und geschäftliche Beziehungen ein. Er selber, Voltaire, wurde ihr publizistischer Anwalt vvr Europa; in Flugschriften und Gedichten pries er ihre Herrscher- tngend, verherrlichte die Siege ihrer Heere, rief die Sympathien der Volker für sie ans, tadelte die rnssenfeindliche Haltung der Polen, beklagte Griechenlands Los, predigte den Kreuzzug gegen die Türken. Diderot empfahl ihr französische Gelehrte, Juristen und Ärzte, arbeitete allerlei Refvrmpläne für sie ans und gewann sie für deu Gednukeu, iu Rußland eine Allsgabe der Encyklopädie zu vercmstalten. Melchior Grimm, einer der rührigsten Führer der philosophischen Sippe, wurde ihr Beirat in allen litterarischen und künstlerischen Dingen, neben dem Botschafter war er gleichsam ein zweiter geheimer Vertreter der Kaiserin