Vom politischen Theater in Paris
or einigen Tagen fand im Pariser Judustriepalast eine großartige Festlichkeit statt, die im Hinblick auf den immerhin noch möglichen für die Republik ungünstigen Ausfall der nahe bevorstehenden Wahlen (nur schreiben am Vorabend derselben), auf die sie freilich zu Gunsten des jetztBestehendeu einwirken sollte, an das Gebot eriuuerte: Du sollst den Tag nicht ovr dein Abend loben. Es war eine szenische nnd musikalische Feier, mit der eine Art Vergötterung oder Verhimmelnng der Republik beabsichtigt war, und deren Mittelpunkt eine Triumphode bildete, die eine bisher unbekannte Madame Augnsta Holmes geliefert hatte. Veranstalter des Festes war der Pariser Stadtrat, der die Dichtnng nnd die Komposition bestellt und bezahlt, die zu ihrer Aufführung erforderlichen Musiker und Schauspieler besorgt und die Ansstattnng der Bühne beschafft hatte, ans der sie sich abspielten. Die Bühne zeigte zwischen den Seitenvvrhäugen eiu Panorama Frankreichs mit seinen Städten, Dörfern und Wäldern und im Osten die Vogesengrenze, hinter dereu Bergen, zwar unsichtbar, aber grimmig und neidisch, der Erbfeind lauerte — neidisch besonders, als unter den Klängen des Orchesters der große symbolische Triumphzug sich auf deu Altar des Vaterlandes im Mittelgrunde zu bewegte, der von Baum- und Blattpflauzenschmuck nmgeben war und auf dem, verhüllt mit einen» dreifarbige» Schleier, eine geheimnisvolle Figur stand. Zuerst tameu rebenbekräuzte Winzer, danu Schnitter mit einer Ceres, die sich mit Ähren und Korublmueu geschmückt hatte. Darauf folgte, inmitten einer Schar von Soldaten, der Kriegsgvtt, der auf Schilden getragen wnrde, und auf dessen Helm der gallische Hahn die Flügel ausbreitete, uud diesem folgte Neptun mit dein Dreizack ans einein Lager von Korallen und Algen. Weiterhin kam die Arbeit mit ihren Söhnen, kenntlich an Hämmern und andern:
Greuzboteu III 1889 7:!