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Neue Erzählungen
allgemeinem, sehen, was sie sehen wollen und führen auf schwankender Grundlage phantastische Systeme auf. Solche Gebilde zu zerstören, ist Recht und Pflicht der Fachmänner, nur dürfen sie nicht das Nichtige, von dem die Schwärmer ausgingen, mit ausrotten wollen. Auch Schliemaun trägt Scheuklappen, ohne die er niemals so Großes zuwege gebracht hätte; er hat wiederholt gefunden, was er finden wollte, und hat sich von mancher vorgefaßten Meinung lossagen müssen. Nun weigere man seinen Gegnern nicht das Recht zu forschen, zu kritisiren, zu irren und sich berichtigen ^u lassen; auch ihnen ist es nicht minder um die Sache zu thun.
Neue Erzählungen
Zweite Reihe
uch ein neuer Band der gesammelten Werke von Maximilian Schmidt: Der Leonhardsritt, Lebensbild aus dem bairischen Hochlande zur Zeit des deutsch-französischen Krieges 1870—1871 (Leipzig, Liebeskind, 1889) ist in diesem Jahre erschienen, und zwar ein besseres Buch als die ihm unmittelbar vorhergegangnen Bücher Schmidts. Nicht deswegen, weil Schmidt eine neue Entwicklung genommen hätte, er ist derselbe geblieben, und auch dieses neue „Lebensbild" ist mit den alten Farben und mit den alten Motiven geschaffen. Aber die Komposition der Erzählung ist schöner, sorgfältiger als im „Liserl" oder im „Musikanten," uud die wenig geschmackvollen Exkurse in die altbekannte Orts- und Sittengeschichte Oberbaierns sind vermieden, die vaterländischen Erinnerungen nur hie und da eingestreut wordeu.
Schmidt ist kein Dichter vom Schlage der Gotthelf, Reuter oder Anzen- gruber: die urwüchsige Kraft dieser schöpferischeu Dichter fehlt ihm, und sein Humor — ohne den der Dorfgeschichtenschreiber gar nicht bestehen kann - - ist auf kleine Schwänke bäuerischen Stiles oder auf einen scherzhaften Dialog beschränkt. Schmidt ist sentimental, er glaubt seinen Banern schmeicheln zu müssen, sie erscheinen bei ihm im farbenprächtigen Sonntagsgewand, und dieses ist meist echter als ihre veredelte Seele. Es will uns z. B. gar nicht bäuerisch erscheinen, wenn eine Bauerndirne litterarische Kenntnisse aufweift, wie die Mirdei in >diesem „Leonhardsritt," die ihren starrköpfigen Vater durch den