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einzelnen Künstlern, ihrem Lebensgange, ihrer künstlerischen Entwicklung und Thätig­keit ein klares und ansprechendes Bild zu entwerfen, tritt auch in dem vorliegenden Bnche herbor. Es umfaßt in drei schon in der Aufschrift angedeuteten Hauptteileu folgende Aufsätze! 1. Über Knust! Tracht und Mode; Kunst, Symbolik und Allegorie; Lebende Bilder; Ein Grnndproblem des Kunstgewerbes; Die Tragik in Werken hellenischer Plastik. 2. Über Küustler: Eiue Frankfurter Knustakademie im acht­zehnten Jahrhundert; Philipp Veit; Adrian Ludwig Nichter; Moritz von Schwind. 3. Über Kunstwerke: Die Veuns von Milo; Nnffaels Transfignration; Cornelius uud das Weltgericht; Paul Wallots NeichStagSgebände. Ein Auhaug wendet sich gegen neuere Ergäuzuugsversuche der melischeu, Aphrodite.

Wie das Vorwort bemerkt, siud einige von diesen Aufsätzen ältern Ursprungs, aber sorgfältig überarbeitet. Ein Hinweis auf die Zeitschriften, in denen sie zuerst abgedruckt worden find, fehlt, mehrere fiudeu sich in den ersten zwei von den oben aufgeführten Jahrgängen der (Äreuzboten und in der Lützowschen Zeitschrift für bildende Knust iu den Jahrgängen 1875, 1380 uud 1883; bei eiuigeu andern, die ebenfalls alter» Ursprungs zn sein scheinen, können nur die Stelle des erste» Abdrucks nicht ueuueu. Unter den Abbildungen sind »eil zwei Lichtdrucke nach Schwindschen Handzeichnungeu uud der Fnksimilefarbeudruck eines dem Stadtarchiv zn Frankfurt a. M. gehörigen Entwurfes zu einer PreiSverteilnng in dem Cöutgeu- schen Zeicheuiustitttte (vvu der Haud Cöntgeus selbst). Wie diese Tafel unter den Abbildnngen die wertvollste ist, so wird auch der zugehörige Text unter dem vielen Guteu, das das Buch bringt, dem Leser am besten gefallen. Die großen Hoffnungen, mit denen man die Begründung der Fraukfurter Akademie vornahm, ihre geringen Erfolge trotz aller marktschreierischen uud hochtrabenden Preisverteilungen unter Pauken- uud Trompeteuschall, die eigentümlichen Ansichten jener Zeit über die wahre Kunst, die wie der Frankfurter Schöffe von Uffeubach gelegentlich meintder lernenden Jugend Sitzfleisch machet," ferner der Niedergang der Akademie, ihre Umwandlung in einZeichnnngsinstitut," dessen Leiter nach Cöntgeus Tode Reges und Grambs waren, bis es endlich durch die Städelsche Stiftung uud unter Philipp Veits Leitnng wieder zur Akademie wnrde das alles ist vortrefflich dargelegt und steht/mit dein folgende», gleich wertvollen Aufsatz über Philipp Veit in enger Verbindung. Im dritten Hauptteil ist der Aufsatz über Nasfaels Transfiguration hervorzuheben, im ersten der über Knnst, Symbolik uud Allegorie. Die übrigeu Aufsätze bieten manches Geringere, sind aber ebenfalls lesens- uud beachtenswert.

Zu bedauern ist es, daß Valentin auch iu diesem Buche seinerSphinx," der Aphrodite von Melvs, naht. Was er gegen die Ergänzungsversnche andrer vor­bringt, ist ja zum größten Teile recht nnd in Ordnung; aber sein eigner Ergiinznngs- vvrschlag ist kaum besser, als der schlimmste unter deu bisherigen. Es wäre wirklich zu wünschen, daß derartige Sphinxgestalten in der Knnstschriftstellerei auch darin der mythischen Sphinx ähnlich wären, daß sie jedem, der ihr Rätsel nicht gleich beim erstenmale zu lösen vermag, es unmöglich machten, noch ein zweites, drittes nnd viertes mal an ihren Felsen hiuauzntreteu!

Für die Redaktion verantwortlich: Johannes Grunow in Leipzig Bering vvn Fr. Wilh. Grnnvw in Leipzig Druck von Carl Marquart in Leipzig