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Maßgebliches und Unmaßgebliches
und Offizieren fast immer der Fall ist —, lernt die Tochter als etwas selbstverständliches kennen, und die lieben Mütter bringen es nicht übers Herz, dem Töchterchcn klar zn, machen, das; es ebenfalls von nnten anznfangen habe, wenn es ebenso hoch kommen wolle. Was die Frauen als „naive Utopie" bezeichnen, das verlangen wir Männer gerade von unsern Töchtern: Anspruchslosigkeit in wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Beziehung, Bescheidenheit in, ihrem Wesen nnd Wirken, Verständigkeit in ihrer Tracht nnd ihren Gewohnheiten. Wenn aber eine thörichte Mutter den zwölfjährigen Backfisch in, eine Spitzenrvbe. steckt, ihn, mit Goldschmuck nnd Korallen behängt nnd trinmphirend mit lächerlicher Eitelkeit, ans den, „Knvspen- ball" führt, dann können wir schlechterdings nicht von dieser Knospe verlangen, daß sie dereinst eine tadellose Gattin und Mutter werde — oder sollte sich diese Knospe znni fachwissenschaftlichen Stndinm eignen? Glinklicherweise haben wir noch deutsche Mütter, die ihre Töchter zn erziehen verstehen — es wäre sonst um unser Vaterland sehr traurig bestellt.
So wann und eifrig mich von dem Franeuvereiu „Reform" für die, aufgestellten Ziele, geknmpfl wird, seine mühevolle Arbeit wird fruchtlos bleiben, so lange er seine Ziele nicht ändert und an seinen unausführbaren Forderungen weiterhin festhält.
2) Die Bewegung in, der „Frauenfrnge" nimmt unverkennbar immer grössere Ausdehnung an, eine Thatsache, die dem wirklich vorliegenden, Notstande gegenüber nur mit großer Befriedigung zu, erfüllen vermag. Aber wir vermissen, oft in dieser Bewegung die nötige Sammlung und Mäßigung, die allein dem Kampfe für eine gute Sache Erfolg sichert. Eine große Aizahl der Vorkämpferinnen, erregt dnrch die eignen und der Mitschwestern Leiden, nnerfahren, ungeübt, gefährden ihr Werk dnrch unparlamentarische Behandlung mehr, als sie ihm nützen, sie setzen diese so ernste. Sache dem Fluche der Lächerlichkeit aus. Es werden die. gewiß erschütternden Notstände geschildert, man erhitzt sich für eingebildete, Franenrechte, man wirft die Frage auf, ob die Frau geistig ebenso befähigt als der Mann, nnd wenn dieses der Fall, nicht geradezu berechtigt sei, sich in denselben Gebieten wie er auszubilden, nützlich zu machen, uud mau übersieht in blindem Eifer die grnndverschiedeuarlige Begabung beider, die so ersichtlich zu gegenseitiger Ergänzung geschaffen ist; man regt sich ans bis zum Siedepunkte und vergißt, hänfig, daß in, verständigen, zweckmäßigen Vorschlägen znr Bessernng des unhaltbaren Znstandes allein, der Schwerpunkt der ganzen Frage liegt. Doch nm der Ansschrcitungcu. und der Ungeschickt- heit einzelner willen über die „Franenfrage" zu spötteln, ist kurzsichtig; sie kann über Nacht znr Tagesfrage werden, ihre hohe Bedenlnng für alles, was Volkswohl heißt, läßt sich nicht wegspotteln.
Eine große Anzahl von Frauen ist darauf angewiesen, uuter den bestehenden Verhältnisse» sich ihr Brot selbst zn erwerben; eS sind das nicht allein Unverheiratete; auch Witwen, die den Ernährer verloren, haben, nnd für sich nnd ihre, Kinder allein sorgen, müssen, fällt diese Anfgabe zu nnd ist für sie noch nngleich schwerer, nnd selbst die. Ehefrauen der mittlern nnd untern. Stände müssen, wenn sie mich nicht alleinige. Versorgerinnen der Ihrigen, sind, doch Erlverb suchen, nm zn den Kosten des Hauswesens etwas beizutragen. Ehedem war das anders, der Mann erwarb allein, die Frau sorgte für das Hanswesen, die Kinder; ihre Thätigkeit umfaßte nur das Haus, das ihre. Welt war, und das waren schönere, Zeiten für die. Frau, in der alle echt weiblichen Eigenschaften zn vollkommenster, Herr-