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Die alexandrinische Kunst
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Die alexandrinische Kunst

uf dem Gebiete der Altertumswissenschaft, so weit sie unter dem Nameu der Archäologie ihre Forschungen der bildenden Kunst zuwendet, ist in den letzten Jahrzehnten ein Fortschritt besonders nach eiuer Richtung hin immer deutlicher bemerkbar geworden: es ist die zunehmende Erkenntnis der Eigentümlich­keiten örtlicher Kunstübuug. Die großen Abschnitte, in die früher die Be­trachtung der alten Kunst eingezwängt wurde, sind schon jetzt zu eng geworden. Es genügt nicht mehr, von einer Zeit des Archaismus, der Blüte und der Nachblüte zu sprechen nnd innerhalb eines jeden Abschnittes wieder zwischen attischer uud peloponnesischer Knnst zu scheiden, zu denen an zweiter Stelle in der ältern Zeit etwa noch Agina und einige Inseln des ägeischcn Meeres, in der hellenistischen Zeit Pergamon nnd Rhodos treten. Vielmehr sind neben Athen und Argos oder Sikyvn eine ganze Reihe Städte zu nennen, deren Einfluß auf die beiden tiiustlerischen Hauptstädte Griechenlands zu gewissen Zeiten ebenso stark gewesen ist, wie die Einwirkung dieser Städte zu andern Zeiten auf andre Orte; nnd zwischen den einzelnen örtlichen Künstlerkreisen haben Unterschiede bestanden, wie sie in unsrer Zeit nnd in der Knnst der Renaissance nicht stärker gewesen sein können.

Derartige Gegensätze innerhalb der griechischen Kunst sind allerdings schon früher bemerkt, aber, solange die schriftlichen Nachrichten der Alten unsre Haupt- quelle bilde» mußten, doch mehr geahnt, als wirklich erkannt worden. Denn unsre Schriftquellen sind zwar nicht stumm; aber sie sprechen doch gewöhnlich recht nndentlich, nnd ihre kurze», oft einseitigen, sogar mißverstandnen Urteile genügen nicht, ans ihnen allein ein treues Bild der ebenso reichen, wie mcmnich- faltigen Kunstthätigkeit Griechenlands zn gewinnen. Erst die Fülle vou Denk­mälern, die in unsrer Zeit durch glückliche Funde und Ausgrabungen der ivissenschaftlichen Betrachtung zugeführt worden siud, und planmäßige Zu- samme»stellttngen des Alten nnd Nenen haben für ganze Zeitabschnitte wesentlich Nencs nnd, wie angenommen werden darf, auch Sicheres gelehrt. Es genügt, Pergamon zn uenuen, um daranf hinzuweisen, wie uusre Keuutnis örtlich be­schränkter Kunstübuug in deu letzten Jahren erweitert und vertieft worden ist.