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Die großserbische Idee. 2
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Die gwsjserlnschv Idee

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in, türkische» Albauien zu koinme», «in eine dort neuerbaute christliche Kirche einzuweihen. Der Pascha von Skutari aber, der die Tschernagorzen als wider­spenstige Unterthanen der Pfvrte betrachtete, ließ ihn überfallen und gefangen­nehmen und hatte alles Ernstes die Absicht, ihn pfählen zu lassen. Gegen ein Lösegeld von 3600 Dukaten gab er ihn zwar frei, doch nicht ehe er ihm den Schimpf angethan hatte, daß er den Fürsten und Bischof den Pfahl, auf den er hatte gespießt werden sollen, vor dem versammelten Volke von Skntari nach der Stelle zu tragen zwang, wo ihm zu sterben bestimmt gewesen war. Dauilv rief, nach seinem Kloster in Cettinje, der Residenz der Wladiken, heimgekehrt, zornschnaubend sein Volk auf, die gegen ihn verübte Verräterei uud die ihm augethaue Schande zn rächen und zugleich das unter ihm wuchernde muhnmmc- danische Unkraut zu vertilgen, indem er es für die Pflicht jedes rechtschaffnen Tschernagorzen erklärte, seine Verwandten, die den Islam angenommen hätten, zur Auswanderung zu nötigen oder, wenn sie sich weigerten, sie totzuschlagen. Die Betreffenden zogen auch ab, und am Weihuachtsfeste 1702 wohnte kein Muslim mehr in den Schwarzen Bergen. Desto heftiger entbrannten von jetzt an die Kämpfe zwischen beiden Parteien, und es wurde» hüben und drüben nicht wenige Ohren, Nasen und Köpfe abgeschnitten, auch drangen die Türken einmal bis nach Cettinje vor und zerstörten das dortige Kloster. Bisher hatte Österreich durch die weltlichen Gubernatoren, die den geistlichen Fürsten oft als gefährliche Mitbewerber um die Macht zur Seite standen, vielfach ans Montenegro Einfluß geübt. Jetzt trat auch das staunn- und glaubensverwandte Rußland zu, dem kleinen Bergvolke in Beziehungen, die bald recht inniger Natur wurden. Als Peter der Große 1711 die Pfvrte mit Krieg überzog, rief er deu Wladika auf, ihn als Bundesgenosse zu uuterstützeu, erkanute öffentlich die Tschernagora als unabhängiges Geineinwesen cm und nannte sich den Beschützer des Fürsten uud Volkes derselbe». Die letztern leisteten ihm dasür nach Kräften Dienste mit den Waffen. Einige Jahre darauf reiste Danilo uach Petersburg, vou wo er uebst andern Geschenke» 10000 Rubel zum Wiederaufbau des zerstörten Klosters uud die Zusicheruug von 500 Rubel» jährlich zu dauernder Erhaltuug des­selben nach Hanse brachte. 1767 trat eine Episode ein, die zeigte, wie das Interesse der Montenegriner an den Geschicken Rußlands bis dahin gewachsen war. Es erschien der Kroate Stefan Mali, der sich sttr den (bekanntlich von den Orlvws ermordeten) Zaren Peter III. ausgab und, als er Anhänger ge­funden hatte, die verschiedneu Parteien zu vereinigen wußte und nun das Land mit Erfolg gegen die türkischen Paschas verteidigte, bis er 1774 ermordet wurde. Als Josef II. und Katharina II. 1788 beim Ausbruche ihres Krieges mit der Pforte die Montenegriner aufforderten, mit zu kämpfen, ergriffen diese die Waffen und hielten bis 1791 einen großen Teil der türkischen Streitkräfte fest, wofür sie aber beim Friedensschluß nicht belohnt wurden. Nun folgten einige Jahre der Ruhe, die der Wladika Peter I. zu Reformen