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Zwei Kapitel über den Talmud : 1. Seine Geschichte
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Zwei Kapitel über den Talmud

^. Seine Geschichte

aß der Talmild ein Buch und nicht, wie der gelehrte Kapuziner Heurieus Seynensis meinte, ein alter Rabbiner ist, wird heut­zutage, wo wir ihu so oft haben erwähnen hören, wvhl in weiten Kreisen bekannt sein, jn Nur dürfen annehmen, daß die meisten unsrer Gebildeten sich einigermaßen der Bedeutung bewußt sind, die er für die Mehrzahl der unter uns lebenden Juden hat, da er ihuen als das heiligste Buch uach der Thvra gilt und mit seineu Vorschriften ihr ge­samtes Leben beeinflußt und regelt. Viel weiter aber reicht nach unsrer Er­fahrung die Bekanntschaft des großen Publikums mit ihm nicht, und ganz kürzlich uvch wurden wir mit einigem Erstaunen gewahr, daß Lente, die sich sonst auf deu verschiedensten Gebieten wohl unterrichtet zeigten, hier völlig un­klare Vorstellungen hatten. Selbst Theologen befanden sich darunter, denen die Sache doch als eine Art Sammlung jüdischer Kirchenväter nahelag, auch Rechtsgelehrte, deneu man ebenfalls Interesse daran und wenigstens leidliche Kunde davon hätte zutrauen sollen, weil der Talmud iu gewissem Sinne zu­gleich das (üorxns snris des rechtgläubigen Judentums ist. Nun wäre es freilich eine lächerlich unbillige Forderung, von jedem, der über ihn spricht, zu verlangen, daß er ihn auch gelesen habe; denn erstens hat er einen geradezu ungeheuern Umfang (ungefähr deu füufundzwanzigfacheu der Bibel), fodaun ist seine Sprache, teils Jehudith, d. h. Späthebräisch, teils Chaldäisch, vielfach schwierig, und eine Übersetzung des Ganzen ins Deutsche oder in eine andre Kultnrsprache giebt es nicht, schließlich sind Stoff und Tou fast alleuthalbeu abschreckend trocken. Und doch hat der Talmud auch für Nichtjuden iu vielen Beziehungen hohen Wert. Er ergänzt unsre aus den Schriften des Alten Testaments geschöpfte Kenntnis des Hebräischen, er enthält eine Fülle von Einzelheiteil archäologischer, ethnographischer, geschichtlicher, medizinischer, juristischer uud theologischer Natur, die uns das Nene Testament zn erklären, zu beleben uud anschaulicher zu inachen geeignet ist. Das letztere hebt sich zwar wie göttliche Natur, wie Leben voll Gotteskraft von seiner Dürre und Künstelei ab; aber wenn man im allgemeinen den Eindruck hat, im Talmud