Litteratur
Fürst Bismarck und die Litteratur, Eiue politisch-litterarische Studie von Adolf Kohnt. Leipzig, C. Reistner.
Wozu sich doch der Reichskanzler von den Biicherfnbrikauteu verweudeir lassen mnß, und !vas alles sich als Studie betrachtet ivissen will! Jedes Jahr wird wenigstens einmal, oft etlichemal, eine neue Seite entdeckt, von der Bisinnrck noch nicht angesehen nnd dargestellt worden ist, nnd ohne Verzug setzt sich einer von denen, die für den Markt arbeite«, hin, um die Lücke auszufüllen, gleichviel, ob er dazu genügendes Material und das erforderliche Geschick hat oder nicht. Der den wenigsten Beruf dazn hat, scheint sich immer am meisten dazu versucht zu fühlen. Hat er nnr erst die Lücke oder mich nur die Dreistigkeit, zu behaupten, es existire etwas der Art, so findet sich die Ausfüllung bald, wcun mich nicht in eigenem Wissen, so doch zerstreut in den Leistungen andrer Leute, nnd frischweg wird mit Schere nnd Kleisterpinsel znm Werke geschritten, gesammelt, abgeteilt nnd zusammengeklebt, bis das neue Buch fertig ist. Ein solches Sammelsurium haben wir auch hier vor uns. Das Buch will ebenfalls eine Lücke ausfüllen, die ober in Wirklichkeit gar nicht da ist, da Bismcircks Verhältnis zur Litteratur für das Publikum gar nicht in erster Linie steht, nnd da eS auch, soweit wir nns dafür interessiren, bereits hinreichend dargestellt worden ist, nnd es ist ebenfalls eine Aneinnnderfädeluug oberflächlicher Notizen, die nichts Nenes und Ursprüngliches enthalten, obendrein aber ungeschickt geordnet sind, wie denn z. B. die Abschnitte „Bismarck als Schriftsteller und Journalist" und „Bismarck nnd die Presse" im wesentlichen ein nnd dasselbe Thema besprechen. Die Citate der Dichter nnd Schriftsteller in den Reden und Schriftstücken des Reichskanzlers, die der Verfasser zusammengetragen hat, mögen allenfalls in diesen Znsammenhang gehören; seine „geflügelten Worte" und „gvldnen Aussprüche" aber habeu mit dem Gegeustaude, um den sichs handelt, nichts zu schaffe«. Ganz dürftige Leistungen sind die Kapitel über Bismarcks schöngeistige Lektüre nnd seine Stellung zur dentschen Litteratur. Die Hymnen auf Bismarck, die Herr Kohnt in dem Kapitel ,,BiS,mirck nnd die Dichtkunst" hat abdrucken lassen, wird wohl uur er selbst für erwnhnens- nnd aufhebenswert gefunden haben. Nach dem Gesagten tonnen wir das vorliegende Buch nur zu dem Zwecke anzeigen, die Leserwelt vor der Meinung zu warneu, daß sich uuter seinem Titel etwas Wissenswertes finde, und daran den Wunsch zu knüpfen, es möge dieser Sorte von Bnchmacherei recht bald durch Scichtberücksichtigung ihrer Erzeugnisse von selten des Publikums ein Damm vorgebaut werden ; wir Prodnziren schon auf den andern Gebieten der Schriftstellerei heutzutage geuug und übergenug, der Müllhaufen darf nicht weiter anschwellen. Aber eiu Damm anch von feiten der Verleger; man begreift nicht, wie die Machwerke des Herrn Kohnt immer und immer wieder Verleger finden können.