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Tagebuchblätter eines Sonntagsphilosophen : 13. Die Rede des Prinzen Ludwig
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Tagebuchblätter eines Sonntagsphilosophen

^Z. Die Rede des Prinzen Ludwig

as war eine wackere That, Prinz Ludwig, eine deutsche That, deren man in der Geschichte der Anfänge deS nenen Reiches einst gar wohl gedenken wird! Zwar nur eine Rede, aber eine Rede, die einer That gleich wirkt durch die deutscheu Lande hin und darüber hinaus. Eine That auch insofern, als es, soviel ich weiß, neu ist, daß ein so hochgestellter Fürst als Volksredner auftritt. Dem Prinzen selbst gerade ist es freilich nicht nen, denn er hat vor acht Jahren die deutschen Schützen zu ihrem Feste in München ebenso bewillkommt, wie jetzt die Tnruer. Ich habe aber gar keine Erinnerung, daß seine Rede damals «n ähnliches Aufsehen erregt hätte wie die vom Sonnabend. Ein Fürst als Volksredner, das Wort in seinem edelsten Sinne genommen. Er sprach zu deu Tauseuden deutscher Turner als zn deutschen Männern, in denen er Deutschland selbst vertreten vor sich sah, sprach zu ihnen von der höchsten Angelegenheit deutscher Männer, von dein Werden, Wesen nnd Gedeihen des neuen Reiches. Da ist der Begriff Volksredner aufs schönste erfüllt.

Nach einem lebendig gehalteneil Überblick, wie das alles so gekommen seit der Schmach der napoleonischen Zeit, fragt der fürstliche Redner:Und unn frage ich Sie, meine Herren, die Sie aus dem Deutschen Reiche sind, was ist uusre Aufgabe? Diese Aufgabe ist: treu festzuhalten an Kaiser und Reich und einig zu bleiben." Das ist ja der Grundton, aus deu sich nun glücklich alles deutsche Leben immer mehr stimmt. Aber noch mit Hindernissen, und gerade an dieser Stelle und ans diesem Munde hat die einfache, ent­schiedene Erklärung mit der dazu gehörigen Ausführung eine besondre Be­deutung, denu sie sagt zugleich aus: Auch Baiern gehört nun mit aller Treue und Hingebung dem neuen Reiche an, ist nichts als ein williges Glied des neuen Ganzen, in dem der deutsche Geist seinen hohen Kulturaufgaben nach­gehen wird. Es klang zugleich, selbst wenn es dein Redner nicht bewußt war, wie ein freies brüderliches Bekenntnis des bciierischen Geistes vor dem deutschen Geiste, das er diesem zu guter Stunde schuldig zu sein glaubte:Da bin ich wieder ganz, wir gehören zusammen."

Man weiß ja bei uns wie im Auslande, welchen eigentümlichen Schwierig­keiten die neueu Verhältnisse gerade in Baiern begegneten, obwohl eben von Gn'uzlwte» III 188» W