Russische Politik
s ist nicht zu leugnen, daß sich in der gegenwärtigen politischen Leitung Rußlands eine gewisse Folgerichtigkeit kuud giebt, die vielleicht nicht ein System zu nenueu ist, aber doch eine bewußte uud seste Grundrichtung anzeigt, iu der das große politische Staatslebeu gehalteu wird. Man kann diese russische Politik unsrer Zeit reaktionär, orthodox, slawisch, absolutistisch nenuen, denn sie ist etwas vvu alledem, man kau» sie verlachen, tadelu, mau kann sogar Respekt vor ihr habe»; eines wird von jedermann zugegeben werden, nämlich daß sie eigenartig und unerwartet ist. Eben jetzt hören wir wieder etwas Überraschendes: daß dnrch zarischen Mas vom KM Juui dieses Jahres die vor wenigen Jahren entfernte Forderung wiederhergestellt worden ist, daß Fürsten des Zarenhauses, die Anrecht an den Thron haben, die Ehe mit einer Andersgläubige» nur nach deren Übertritt zur russischen Kirche eingehen dürfen. So wohl bekannt die strenge .Kirchlichkeit der heutigen russischen Staatsleitnng war, so ist man doch überrascht, eine Einrichtung wieder belebt zu sehen, die deu Auschanungeu nicht bloß der ersten Hälfte unsers Jahrhunderts, sondern auch deueu von Leuten widerspricht, die längst gelernt haben, liberalen Schwür- mereieu jener Zeit zu entsagen. Praktisch dürfte dieser Mas zur Folge haben, daß die russischen Prinzen ans die Ehe mit Prinzessinnen europäischer Häuser werden verzichten müssen. Denn man darf annehmen, daß auch protestantische Fürstentöchter künftig selbst der Aussicht auf deu Zarenthrou ihren Glauben ebenso wenig opfern werden, als es die katholischen Häuser bisher gethan haben. Ob man auch in Petersburg vou dieser Annahme ausging, als man deu betreffenden Mas beschloß, mag nicht ganz sicher sein. Gewiß aber hat man Gn'iizlwtc» NI I8M 31