186
Litteratur
Es scheint aber, wir leben im Zeitalter der „Notabeln"-Erklärungen. Sie kennzeichnen sich als ein letzter Versuch, erfolgreichen Bestrebungen durch Ausspielung persönlichen Ansehens den Lebensfaden abzuschneiden. Man kann sie als ein Zeichen betrachten, daß die Strömung, der sie einen Damm entgegensetzen sollen, stark und gesund genug ist, über alle Hindernisse hinweg sich Raum zu schaffen. Genützt haben sie noch nichts, geschadet auch nichts, wenigstens nicht der Sache, gegen die sie gemünzt waren. Und die mau durch das Namensansehen andrer zur Umkehr bewege» wallte, die haben sich mich in diesem Falle nur fester in ihrer Überzeugung zusammengefunden. Mit dem „Baugemachen" ist es nichts rechtes mehr.
Ävn Gravelottc nach Paris. Erinnerungen ans dem deutsch - französischen Kriege von General Philipp Sheridan. Deutsch von Udo Brachvogel. Leipzig, C. Meißner, 188»
Das Buch bildet einen Teil der hinterlassenen Denkwürdigkeiten des vor einigen Jahren verstorbenen nordamerikanischen Generals, der, nachdem er sich im Sezessionskriege ausgezeichnet hakte, einige Jahre den Oberbefehl über die „Militn'r- division des Missouri" im Gebiete der Felsengebirge führte und 1870 mit Erlaubnis des Präsidenten Grant einige Wochen den Krieg in Frankreich als Beobachter im deutscheu Hauptquartiere mitmachte, wozu er die Augen deS Fachmannes und die Gabe, unparteiisch zu urteilen, mitbrachte. Bekanntschaft mit diplomatischer Sprache dagegen scheint nicht seine Stärke gewesen zu sein ; sonst hätte er gewisse Äußerungen, die der Bundeskanzler im Verkehre mit ihm that, nicht so naiv für bnnre Münze gcuommeu. Seine Mitteilungen ergänzen in mehrern Stücken, wenn anch meist nnr in Kleinigkeiten, die Tagebuchsblätter, die Busch in seinem Buche „Graf Bismarck und seine Leute" verwertet hat. Von besonder», Interesse ist, was er als Augenzeuge über die Schlacht bei Gravelotte berichtet. Er war dau» auch bei deu Schlachten von Beaumout und Sedan zugegen, zog mit der deutscheu Armee »ach Nethel nnd Reims und zuletzt uach Versailles uud verließ hier am 14. Oktober den Kriegsschauplatz, um zunächst nach Brüssel nnd hierauf nach Kvnstantiuopel zu gehen. Wesentlich Neues enthalten seine Erinnerungen nicht. Anch sind sie nicht frei von Irrtümern, die auch an der Zuverlässigkeit andrer Partien seiner Erzählung zweifeln lassen. Nicht richtig sind z. B. die Unistände und Vorkommnisse wiedergegeben, die die Übergabe des kaiserlichen Briefes an König Wilhelm ans dem Hügel vor Sedan begleiteten. Das Weberhaus, wo Napoleon mit Bismarck am nächsten Morgen zusammentraf, ist nicht Teil eines Örtcheus, sondern steht eiusaiu. Der Kanzler kau» uicht nach der Schlacht und überhaupt niemals zn Sheridan gesagt haben, er erwarte nun die Errichtnng einer Republik und fürchte sie (Seite 69) n. dgl. in. Sheridan
Litteratur