Naturalistische Litteratur
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aber sind sie die schöpferischen Pfadfinder und Wegweiser für die Fortbildung ihres Volkes. Den sittlichen Gedankenreichtum^ der Kellcrschen Werke zum Gemeingut der Deutschen zu macheu, wird die Aufgabe des Geschlechtes sein, das den siebzigsten Geburtstag des Meisters in junge» Jahren miterlebt. Wien Moritz Necker
Naturalistische Litteratur
ir werden vor dem Betreten eines Gesellschaftszimmers darauf vorbereitet, dort einem höchst gefährlichen nnd daher höchst interessanten Manne zn begegnen, der den festen Entschluß gefaßt habe nnd auch unfehlbar ausführeu werde, alles Bestehende in Trümmer zu schlagen und dann eine ganz neue Ordnung einzuführen. In ängstlicher Erwartung nähern wir uns dem Furchtbaren und sind umso nugeuehmer überrascht, einen ganz gemütlichen Herrn zu finden, der verständig über öffentliche Angelegenheiten spricht, ein gut deutsches Herz offenbart, mit der Gegenwart zwar vielfach unzufrieden ist, aber rückhaltslos anerkennt, was in den letzten Jahrzehnten geschehen ist, uud voll Verträum iu die Zukunft blickt. Schon schwebt uns die Frage auf deu Lippen, wie er denn zu seiuem sonderbaren Rufe gekommen sei, als er sich plötzlich wie der komische Kauz iu einer österreichischen oder bairischen Posse, dessen Leitmotiv die Drohung ist: „Wann i cunal ansang', i fang' nit an, aber wann i mnal ansang'!", geberdet und gewaltige Tiraden losläßt — wie man zu sagen pflegt „gegen Gott und alle Welt" —, dabei aber noch hinzufügt, daß die herrschende Unfreiheit nicht gestatte, rückhaltslos zu sprechen.
Das ungefähr ist der Eindruck, den wir von M. G. Conrad, bekanntlich einem Haupte der naturalistischen Schule, aus seine» beiden Büchern Fantasio und Pumpanelln erhalten. Beide Bücher siud im Verlage vou W.Friedrich in Leipzig erschienen nnd enthalten in bunter Reihenfolge Aufsätze über alles mögliche, die Wohl ursprünglich in der von dein Verfasser „begründeten" Monatsschrift für Litteratur und Knnst „Die Gesellschaft" erschienen sind, einer Zeitschrift, die sich nach dem Vorbilde einer bekannten Berliner Neklamen- zeitung sechsmal unter einmider ankündigt als „das einzige deutsche Blatt, welches u. f. w.," z.B. „welches die iveltbewegeuden Probleme der Zeit — in Litteratur, Kunst und sozialem Leben — rücksichtslos und ohne Zimperlichkeit -bis in die letzten Konsequenzen behandelt."