Beitrag 
Oxford und Cambridge und die weiblichen Hochschulen in England
Seite
102
Einzelbild herunterladen
 

Oxford und Cambridge und die weiblichen Hochschulen in England

von w. Henkel

ein deutschen Beobachter, der die öffentlicheil Zustände in Eng­land und das geistige Leben des englischen Volkes vorurteilsfrei uud unbeirrt durch Reiseberichte, wie das seicht-frivole.lobn lüiil vl «on rlv, verfolgt, dräugt sich leicht die vvlkerpshcholvgische Wnhrnehmnng auf, welche wunderbare Fülle iuteresscmter Gegen­sätze in diesem einen Volks- nnd Stnatskörper von jeher unvermittelt neben einander bestanden haben, ohne daß sie eine zersetzende Wirkung ausgeübt uud im Staate uud i» der Gesellschaft den Anstoß zu anhaltenden Erschütterungen und tiefgehende» Umwälzungen gegeben hätten. Die Unwissenheit nnd Rvhheit der untern Volksschichten uebeu der äußersten Verfeinerung des materiellen lind geistigen Lebens in den obern Regionen der Gesellschaft, starre Rechtgläubig­keit uud unerschütterlicher Autoritätsglaube, katholisireuder Nitualismus und Puseyismus innerhalb der protestantisch-bischöflichen Kirche nnd der Heils- armeestraßennnfng neben Darwins nnd John Stuart Mills Wcltanschaunug und unerschrvckner Forschung, die heillose Zerfahrenheit der Zustände iu Jr- laud gegenüber dem gedeihlichen Wachstum eines auf festen Rechtsauschanungen folgerichtig aufgebauten Gemeinwesens germanischer Nationalität, tiefgewurzeltes Rechtsgefühl und hohe Achtung vor dem Gesetze, und dabei eine Zivilrechts- pslege mit so ungeheuerlichen Mißständen, daß die persönliche und politische Freiheit für den unbemittelten Mall» fast hinfällig wird — diese und ähnliche Gegensatze treten zwar mit gewisse» Abäuderungen auch im Kulturleben andrer abendländischen Völker auf, aber nirgends so dicht neben einander und so scharf ausgeprägt wie in England. Merkwürdig ist dauu auch der Zwie­spalt, worin sich die Gebildeten in England mit ihren Gesinnungen nnd Em­pfindungen zn den beiden wichtigsten Nationen der romanischen und der ger­manischen Völkerfamilie, den Franzosen und den Deutschen, zu besinden Pflegen- Beide haben allezeit auf die Kultureutwickluug jenseits des Kanals einen weit­reichenden Einfluß ausgeübt, aber das sanguinisch lebhafte uud des Bühuen- effektes bedürftige Franzoseutum hat immer für den doch im Gruude seines