Litteratur
571
werden für ihren Beruf. Nicht bloß ungeschickt, svndern auch in andrer Beziehung unfähig; denn es werden in ihnen intellektuelle und ästhetische Bedürfnisse geweckt, die nicht befriedigt werden können; mich ihr geistiges Fell oder ihre geistige Epidermis, wenn das besser klingt, wird zu fein und zart für das harte Los, das sie erwartet; ähnlich wie die verzärtelte Gelehrtenhand Schmutz, heißes Eisen, den Schmiedehammer nnd schwere rauhe Steine nicht mehr zu handhaben vermag.
Nicht darin besteht das Liberale im Schulzwange, daß dem zukünftigen Ochsen- knccht, Steinklopfer, Kohlenschlepper, Kloakenräumer bis zum vierzehnten Jahre dieselbe Bildung anfgezwungcn wird wie dem zukünftigen Minister, General und Professor, sondern erstens darin, daß auch der Ärmste lesen und schreiben lernt, was ihn in den Stand setzt, sich später durch Lesen selbst fortzubilden, an den geistigen Bewegungen seiner Zeit teilzunehmen, und mit seinesgleichen zu gemeinsamen Unternehmungen iu Verbindung zu treten; sodann darin, daß es durch den Schulzwang möglich wird, anch unter den Kindern des untersten Standes ein Talent, ein Genie zn entdecken, und ihm durch Überführung in andre Verhältnisse, an höhere Lehranstalten den Zugang zn einem ihm angemessenen Wirkungskreise zu erschließen.
Litteratur
Was nun? Zur Geschichte der sozialistischen Arbeiterpartei in Deutschland. Von Otto Ham- mann. Berlin, R. Wilhelmi, 1689
Der hier behandelte Gegenstand ist von unserm freisinnigen Bürgerinn? gering geachtet, dann vielfach überschätzt und mehr, als gerechtfertigt war, gefürchtet, bis heute aber wohl niemals vollständig begriffen worden, obwohl er fchon einmal von einein gut unterrichteten und geschickten Schriftsteller behandelt worden ist. Es war im Jahre 1877, als Franz Mehring sein Buch „Die deutsche Sozialdemokratie, ihre Geschichte und ihre Lehre" veröffentlichte, das bald eine zweite Auflage erlebte. In den elf Jahren, die seitdem verflossen sind, hat die deutsche Sozial- demvkratie, von der Regierung uud der Gesetzgebung mit verschiednen, znm Teil sehr kräftigen Mitteln bekämpft und eingeschränkt, mancherlei Wandlungen erlebt, aber nicht aufgehört, vielen Angst einzuflößen und von allen als eine Art Pfahl im Fleische des Staates und der Gesellschaft empfunden zn werden. Eine die Zeit nach Erlaß des Sozialistengesetzcs einschließende Betrachtung ihrer Entwicklung gab es bisher noch nicht. Zachers Schrift „Die rote Internationale" (Berlin, 1384) und die Broschüre „Sozinlismus und Anarchismus während der Jahre 1883 bis 1886" (Berliu, 1887) verbreiten sich nur über kürzere Perioden und haben es nicht bloß mit der sozialdemvkratischen Bewegung innerhalb Deutschlands zn thun, sondern teilen in Gestalt von Jahresberichten allerlei über den Stand dieser Bewegung auch in den Nachbarländern mit. Die Litteratur über die Sache bedürfte