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Zur Erklärung deutscher Revolutionssympathien : 1790-1792 :
(Fortsetzung)
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Ans dem Leben des Kardinals Rauscher

wurde ihm verderblich; eine kaiserliche Kommission Reichsständen dieser Art vft so lüstig und so verhängnisvoll erschien in der Residenz Kyrn znr Ver­steigerung des beweglichen Vermögens. Bald darauf wollte man wissen, der Fürst sei, als Geistlicher verkleidet, in Belgien bei einem Versuche ertappt worden, kaiserliche Soldaten in ihrer Treue wankend zu machen. Gegen Aus­gang des Jahres 1792 ging er nach Paris und ward, seinem fürstlichen Stande entsagend, französischer Bürger. Sein auf dem linken Rheiuufer ge­legenes Läudcheu war damals von der französischen Invasion mit betroffen, und der Fürst soll es nicht an Bemühungen habeil fehlen lassen, die Bevölkerung sür das zu ihnen gebrachte Heil zu gewinnen. Daß er tief in die Strudel der Revolution hineingerissen worden ist, bezeugt seiu Ende: er starb durch die Guillotine in der großen Katastrophe des Thermidvr 1794, in der Robespierre seinen Untergang fand.

(Schluß folgt)

Aus dem Leben des Kardinals Rauscher

ine der bedeutendsten Gestalten der österreichischen Geschichte dieses Jahrhunderts ist unstreitig der 1875> verstorbene Erzbischof von Wien, Josef Othmar Rauscher. Selbst im protestantischen Deutschland, wo sein staatsmännisches und kirchliches Wirken wenig Sympathien erwerben konnte, ließ mau ihm nach seinem Tode volle Gerechtigkeit widerfahren, und liberale Blätter konnten den damals mit ihrem Staat in voller Fehde lebenden preußischen Bischöfen den Wiener Metropoliten als das Vorbild eines loyalen Patrioten preisen, er sei - so meinten sie ein viel zu guter Österreicher gewesen, als daß er jemals eine so staatsfeindliche Haltung hätte annehmen können wie sie.

Zum erstenmale liegt nun eine ausführliche Lebensbeschreibung dieses Kirchenfürsteu vor uns.^) Sie ist gewissenhaft gearbeitet, bringt ans hand­schriftlichen Aufzeichnungen nnd Briefen viel Unbekanntes und eine reiche Auslese aus schon gedruckten Reden und Hirtenbriefen, auch ist sie lesbar ge­schrieben. Dessen ungeachtet wolle» wir hoffen, daß sie nicht die letzte bleibe.

*) Joses Othmar Kardinal Rauscher, Fürsterzbischof von Wien. Sein Leben und sein Wirken. Von vr. Cölestin WolfSgruber, Bencdictiner zu den Schotten ni Wien. Frciburg i. B. 1838. Herderschc Verlagshandlung.