Die Gemeinde Wien
369
staudeuen Äußerungen Cäsars, oder sie sind von Brutus selbst oder vyn andern zu Brntus' Gunsten erlogen. Jedenfalls zeigen sie, was Brutus wünschte und hoffte. Seine Pläne wurden durchkreuzt durch Heranziehung des Großneffen Cäsars, des jungen C. Oetnvins, den Cäsar nach seiner Rückkehr aus Spanien im Herbste des Jahres 45 in seinem Testamente advptirte, dadurch zum Thronfolger desiguirte und auch im Heere als künftigen Kriegsherrn mehr und mehr Populär zu machen snchtc. Demnach hatte Brutus von Cäsar nichts weiter zu erwarten, zumal da auch Cäsars Grundsätze über Behandlung und Verwaltung der Provinzen eine Statthalterschaft nicht mehr in dem goldigen Lichte erscheinen ließen wie ehedem. Die Verschwörer dagegen, bereit, ihm die Führung zn überlassen, verhießen ihm Selbständigkeit nnd reichlichen Raub.
Die Einzelheiten der Ermordung Cäsars übergehe ich als bekannt. Wenn Gegenrevolutionen schon im allgemeinen wenig Aussicht auf Erfolg haben, so konnte man von diesem Frevel eine dauernde Rückbildung der aristokratischen Staatsform schon deshalb nicht erwarten, weil dem Morde gar kein bestimmtes Politisches Programm, sondern nur die Habsucht uud der unbefriedigte Ehrgeiz einiger Generale und Adlicheu zn Grunde lag. Wie wenig gerade Brutus im Ernste an die Wiederherstellung der Republik dachte, geht daraus hervor, daß er die konsequente Vollziehung der Verschwörung, die Beseitigung der nicht beteiligten eäsarischen Generale Antonius und Lepidus, verhinderte, mit denen er, zumal da die Erhaltung seiueHSchwagers Lepidus im Familieninteresse lag, nach vollbrachter That zu Paktiren hoffte.
(Schluß folgt)
Die Gemeinde Wien
um 2. Dezember 1888, wo es vierzig Jahre her wär, daß Kaiser Franz Josef den Throu seiner Väter bestiegen hatte, hat der Wiener Gemeinderat eine Denkschrift herausgegeben, die einen Rückblick auf die Entwicklung des gesamten materiellen und geistigen Lebens der österreichischen Hauptstadt während jener herzig Jahre wirft"). Nach einer Art von Prolog: „Des Bubcnbergers Erwachen," gedichtet von Robert Hamerling, ergreift zunächst der Wiener Geschjchtsprvfesfor Heinrich von Zeißberg das Wort zu einer „Historischen Übersicht" über die Schicksale der gesamtem Monarchie von den Tagen der
*) Wien. 1848—1888. Denkschrift zum 2. Dezember 1888. Herausgegeben vom ^emcinderat der Stadt Wien. 2 Bünde. Wien. Im Kommissionsverlag von C. Konegen, 1888. Grenzbvtcn I 1889 47