Die revolutionäre Gesellschaftskritik in Schillers Ingenddramen 279
er 'also seine Lanfbahn durchmcssen. Der Poet in ihm war erstorben, und der Gentleman, der Gelehrt'' nnd der ausgezeichnete Gesellschafter nahmen nun seine Stelle ein. Als der um drei Jahre ältere Swift mit seinerlato ol tllo lud seine litterarische Laufbahn begann, hatte Congreve die seine bereits vollendet. Daher ist von der zweiten Hälfte seines Erdeulebens wenig mehr zn erzählen.
Im Jahre 1725 machte er sein Testament zu Gnusten Henriettens, der Herzogin von Marlborvugh, nnter deren Einfluß er die letzten Lebensjahre zugebracht hat, und 1729 starb er im neuunndfünfzigsten Lebensjahre. Seine .Freundin feierte ihn mit einem glänzenden Leichenzuge. Die junge, lebenslustige Herzogin erscheint beinahe wahnsinnig in ihrer seltsamen Liebe zu dem alten, körperlich verfallenen Dichter. Es wird erzählt, daß sie eine dein Dichter ganz ähnliche Wachsfigur haben anfertigen lassen, die einen Mechanismus in sich barg, durch den sie nickte, wenn die Herzogin zu ihr sprach. Arzte mußten die Beine der Figur bepflastern, wie es mit Congreves Beinen geschehen war. Allein auch tiefere Natnren beklagten Congreves Tod. Er muß ein ungemein liebenswürdiger und wohlwollender Mensch gewesen sein und hat es offenbar verstanden, sich mit den widersprechendsten Charakteren zu vertragen. Darum konnte er mit Drhdeu, Swift, Dennis nnd Pope, gleichwie mit Addisvn und Steele lebenslange und innige Freundschaft halten.
/ Die revolutionäre Gesellschaftskritik in Schillers
Iugenddramen
m 15). April 1784 brachte das Mannheimer Theater die erste Aufführuug des bürgerlichen Trauerspiels „Kabale und Liebe." Das Stück machte darauf die Nnnde über die deutschen Bühueu und übte, wie Zelter bezeugt, überall eine „elektrische Macht auf sämtliche Sprudeljugend." Mehr noch als die „Räuber" ist die Tragödie der „Luise Müllerin" durchtränkt vou herber Satire auf die damaligen gesellschaftliche Zustände. Als daher die bergehoch gehäuften Anklagen Nuder die alten Gcsellschaftsznstände in Frankreich den Ansbrnch der Nevvlntion herbeigefiihrt hatten, da lag es nahe, auch in den Jugenddramen des schwäbischen Dichters einen Geist zu finde«, der den Anzug der großen Empörnng ahnen lasse. Diesem Urteil lvltrde Vorschub geleistet durch ein merkwür-