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Litteratur
setzen will, um sich an einem Hefte Bmhmsscher Lieder zu erfreuen, zunächst jedesmal mit dem Staatsanwalt zn drohen, wissen wir nicht; es Paßt zu den übrigen Simrock- schen Geschäftsgepflogenheiten. Das aber wissen wir, daß Herr Simrock durch die unliebenswürdige Art, in der er sich dem Publikum gegenüberstellt uud sich das Publikum, das er doch zum Freunde zu gewinnen suchen sollte, geflissentlich zum Feinde macht, sich und seinem Schützling Brahms in hohem Grade schadet, Brahms würde eine viel größere Verbreitung haben, wenn er einen andern Verleger hätte.
Leipzig G w
Hören und Lesen. Der Volksmund ist doch sehr lehrreich; wer nur öfter Gelegenheit hätte, ihn zu belauschen. Sitzen da zwei am Biertische, und einer sagt zum andern: „Wie stehts denn eigentlich jetzt mit dem Zerbster Biere? Wird denn das noch viel getrunken?" worauf der andre erwidert: „Nu eben, davon liest man gar nichts mehr." Liest man! Wer hätte sich vor dreißig Jahren so ausgedrückt? Da hätte doch jeder gesagt: „Davon hört man gar nichts mehr." Der Mann hat aber ganz Recht. Das Lesen, insonderheit die nichtsnutzige Tageszeitungsleserei, ist für den gewöhnlichen Menschen so sehr die Quelle geworden, aus der sein geistiges Besitztum stammt, daß, wenn er von einer Sache keine Kunde hat, er gar nicht anders sagen kann, als: „Davon liest man nichts." Es ist das auch ein Beitrag zur Kennzeichnung des papiernen Zeitalters, so gut wie der „Papierne Stil."
Unentwegt — eine sehr beliebte Neubildung, aber kein gutes Deutsch. Wir schlagen dafür vor: Ochsenmäßig. Den Sinn dürfte es in den meisten Fälleu treffen.
Litteratur
Die Ueberlieferung. Ihre Entstehung und Entwicklung. Von Ernst von Bunsen. In 2 Bänden. Erster Band. Leipzig, F. A. Brockhaus, 1389.
Das vorliegende Buch gehört so sehr der gelehrten Forschung an, daß wir an eine entsprechende Beurteilung hier nicht denken können. Der Verfasser setzt voraus, daß allen schriftlichen Aufzeichnungen eine mündliche, geheim fortgepflanzte Ueberlieferung vorhergegangen sei. Diese sucht er durch sprachliche, antiquarische und mythische Vergleichungen zu ermitteln, um einen annehmbaren Zusammenhang unter den scheinbar entlegenen Materialien herzustellen, wobei er in erster Linie dem alttestamentlichen Kulturzusammenhang nützen will. Der Verfasser berührt sich in manchen Stücken mit den wissenschaftlichen Bestrebungen seines Vaters Josias von Bunsen, hat aber eine noch größere Fülle gelehrter Kenntnisse über den Orient gesammelt.
Wer dem Verfasser nachrechnen will, muß gleichmäßige Kenntnisse mitbringen. In Deutschland haben wir das vorherrschende Interesse, die Methode des neueu Werkes zu erwägen, um daraus auf die Sicherheit der Ergebnisse zu schließen.